1800-1862

Zeitalter zwischen Emanzipation und Ausgrenzung
1803
Reichsdeputationshauptschluss bestimmt Neuordnung des Reiches
1805
allgemeine Volksschulpflicht
1806
Friedensvertrag zwischen Frankreich und Sachsen. Sachsen wird Königreich von Napoleons Gnaden
1807
Gleichstellung der Katholiken mit der evangelisch-lutherischen Staatskirche
1811
Gleichstellung der Reformierten
1813
Völkerschlacht bei Leipzig, Sachsen russisch besetzt
1814
Jüdischer Friedhof in Leipzig eröffnet
1815
Wiener Kongress, Teilung Sachsens
1819
Karlsbader Beschlüsse, antijüdische Hep-Hep-Bewegung
1829
Gründung des Dresdner Mendelssohn-Vereins
1830
Beginn der Sächsischen Staatsreformen
1834
Deutscher Zollverein
1837
Allgemeine Zeitung des Judentums
1837
Gesetz über die Religionsausübung der Juden, Synagogenbau in Dresden und Leipzig erlaubt
1838
Beginn des Baus der Sempersynagoge
1848
Revolution von 1848/49, Grundrechte des deutschen Volkes, Pressefreiheit in Sachsen
1849
Dresdner Maiaufstand
1850
drastische Einschränkung der Grundrechte
1853
Unterhaltungszeitschrift "Die Gartenlaube" mit antijüdischen Beiträgen erscheint in Leipzig

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts klafften in Sachsen die wirtschaftliche und die politische Entwicklung sehr weit auseinander. Fortgeschrittene ökonomische Methoden in den frühesten Formen der Industrie wurden durch die stagnierende Politik gehemmt. Ein Teil der Intellektuellen empfand das Land als überaltert und verknöchert.

Die Künste waren analog den Handwerken in Zünften und Innungen organisiert. Juden blieben von diesem System ausgeschlossen, da christliche Geburt und verschiedene christliche Gebräuche Grundlage der Zunftordnungen waren. Die akademische Kunst bildete sich erst allmählich heraus und war während der Romantik und des Biedermeiers nicht frei von judenfeindlichen Tendenzen.

Zwischen 1830 und 1840 wälzten die Sächsischen Staatsreformen das gesamte gesellschaftliche System um, die Gleichstellung der Juden blieb aber von der Verfassung ausgeschlossen und besonderen Gesetzen vorbehalten. Bis zum Jahre 1838 war es den Juden gesetzlich verboten, den Innungen beizutreten. Selbst nach der Legalisierung blieb die tatsächliche Aufnahme durch Quotenregelungen und den Widerstand der Zünfte beschränkt. Erst mit der Erklärung der Grundrechte des Deutschen Volkes 1848 erhielten die Juden politische Rechte wie das Wahlrecht. Auf die Revolution von 1848 und den Dresdner Maiaufstand von 1849 folgte eine politische Reaktionsperiode, die sich aber der vorwärtsdrängenden ökonomischen Entwicklung nicht verschließen konnte und so 1862 die Freiheit der Staatsbürger anerkannte, jedes gewünschte Gewerbe auszuüben. Jeder Schritt jüdischer Teilnahme an der Kunstausübung ist in dieser Zeit als Emanzipationsleistung zu verstehen.

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