1862-1914

Neue Gewerbefreiheit im Widerspruch zu alten Vorurteilen
1862
Inkrafttreten des Gewerbegesetztes, mit Liberalisierung für Juden
1865
Bürgerliches Gesetzbuch
1867
Verfassung des Norddeutschen Bundes
Gesetze heben wirtschaftliche Beschränkungen für Juden auf
1870
Deutsch-Französischer Krieg
1871
Gründung des Deutschen Reiches
1872
allgemeine Studienfreiheit für Juden
1873
Revidierte Städteordnung
1878
Sozialistengesetz
Neuordnung des Steuerwesens: allgemeine Einkommenssteuer
1882
1. Internationaler Antisemitenkonkreß in Dresden
1896
allgemeines indirektes Drei-Klassen-Wahlrecht zum Sächsischen Landtag
1903
Crimitschauer Textilarbeiterstreik
1904
Anerkennung der Jüdischen Gemeinden als "Körperschaften des öffentlichen Rechts"
1905
Gründung der Künstlergemeinschaft "Die Brücke" in Dresden
1906
Frauen wird das Universitätsstudium gestattet
1909
Gründung der "Deutschen Werkstätten Hellerau"
1913
Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig

Mit der Gewerbefreiheit und dem Bürgerlichen Gesetzbuch für Sachsen fielen die Letzten rechtlichen Schranken für die Ausübung der Künste durch Juden. Das Öffentliche Interesse an der jüdischen Religion oder dem jüdischen kulturellen Hintergrund der Künstler ging fast zeitgleich zurück. Damit war das Wirken jüdischer Künstler in ihrer Mehrzahl von denselben Bedingungen beeinflusst, wie das nichtjüdischer Akteure. Viele Schöpferisch tätige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde sahen nicht die Kunst als den Ort an, ihr Judentum nach außen zu dokumentieren. In der kunstgeschichtlichen Forschung wird für diese Epoche das Ende einer besonderen jüdischen Kunst konstatiert.

Daneben strebte der neu entstehende politische Antisemitismus in verschiedenen Kampagnen danach, jüdische Künstler zu diskreditieren. Selbst Maler und Musiker, die manchmal schon seit mehreren Generationen christlicher Konfession waren, wurden hartnäckig als jüdische Künstler bezeichnet.

Das führte dazu, dass die Selbstdarstellung und die Wahrnehmung durch ihre Umgebung für viele jüdische Künstler in dieser Zeit geprägt waren. Mit dem Übertritt zum Christentum versuchten einige, den Erschwernissen in ihrer künstlerischen Akzeptanz auszuweichen. Diese Entwicklung wurde auch durch eine wachsende Liberalisierung und Säkularisierung befördert.

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