Auguste Lazar

Legendäre Gestalt der DDR-Nachkriegsliteratur
Auguste Lazar, verh. Wieghardt (1887 - 1970)

Bild: Porträt von Auguste LazarAuguste Lazar wurde am 12. September 1887 in Wien in einer vermögenden und kinderreichen jüdischen Familie geboren. Sie studierte in ihrer Geburtsstadt Germanistik und promovierte 1916 zu E.T.A. Hoffmann. Danach unterrichtete die junge Frau an der Privatschule der Eugenie Schwarzwald in Wien. Zu ihren Schülerinnen gehörte auch Helene Weigel. In dem gastfreundlichen Haus der Familie Schwarzwald hatte sie erste Kontakte zu ungarischen Kommunisten.

Auguste Lazar galt in der literarischen Nachkriegsgeschichte der DDR als legendäre Gestalt. In ihren Büchern, meist für Kinder geschrieben, setzte sie sich intensiv mit Fragen der Gerechtigkeit und politischen Entwicklung auseinander. Zu ihren Büchern gehören aber auch die autobiographischen Skizzen "Arabesken" sowie der Essayband "Schach dem König".

Durch ihre aufgeschlossene Art war sie vielen als "Gusti" vertraut. Unter diesem Namen findet man in den Tagebüchern von Victor Klemperer auch die Beschreibung der nicht selten spannungsvollen Begegnungen ihrer langjährigen Freundschaft. Zum Freundeskreis von Auguste Lazar gehörten auch Ludwig Renn, Max Zimmering, das Malerehepaar Grundig, Rudolf Leonhard, Helene Weigel und viele junge Autoren, die sie immer wieder unterstützte.

In Dresden ist eine Straße in Zschertnitz nach ihr benannt.

1920
siedelte sie mit ihrem Mann Karl Wieghardt nach Dresden über, der hier als Mathematikprofessor berufen wurde.
1924
Karl Wieghardt starb und hinterließ Auguste Lazar seinen minderjährigen Sohn Karl Wieghardt aus erste Ehe, der später Physik- Professor in Hamburg wurde.
1925
Beginn der Freundschaft zu Eva und Victor Klemperer, die durch den wachsenden Einfluss der Nationalsozialisten immer fester wurde. Klemperer störte Lazars wachsende sozialistische Gesinnung, was 1933 auch kurzzeitig zu einem Bruch führte.
1932
Autorenschaft und Lesung eines Stücks zum Generationen- Wandel im Rundfunk
1933
monatelanges Exil in Dänemark, Auguste Lazar kehrte jedoch noch im gleichen Jahr nach Dresden zurück, da sie glaubte, das Hitler bald "abgewirtschaftet" hätte.
1936
Victor Klemperer fuhr sie mit seinem Auto an der Elbe entlang, weil sie für ihr Kinderbuch "Jan auf der Zille" die Elbeschifffahrt beobachten wollte.
1939
Abreise am 4. Mai nach London, wo sie eine Stellung als Köchin antreten konnte. Victor Klemperer schenkte ihr zum Abschied ein Kochbuch mit einem Gedicht von ihm. Das von Lazar geplante autobiographische "Tagebuch einer Köchin" erschien 1957 unter dem Titel "Arabesken".
1946
Auguste Lazar kümmerte sich in London um ihre kranke Schwester Maria und forschte im Britischen Museum zum Thema französische Revolution.
1947
In Wien erschien "Sally Bleistift" ungewollt wieder unter dem Pseudonym Mary MacMillan.
1948
nach dem Tod der Schwester wollte Auguste Lazar zurück nach Dresden.
1949
Hermann Duncker, Paul Wandel und Victor Klemperer bürgten für Auguste Lazar bei ihrer Heimkehr nach Dresden. Sie erhielt den Auftrag, den Kinderfunk in Sachsen zu leiten. Ihre Bücher "Jan auf der Zille" und "Sally Bleistift in Amerika" erschienen im Sachsenverlag.
1950
richtete sie den politischen Saal der Ausstellung "Die Frau" im Hygienemuseum ein.
1951
Auguste Lazar hielt Rede zur Bestattung von Eva Klemperer.
1953
Lazar war beim Kinderbuchverlag Herausgeberin einer Serie für 12jährige. Sie veröffentlichte hierin "Jan auf der Zille", "Bootsmann Sibylle", "Der neue Däumling" (1954)
1953
erhielt sie den Karl- Marx- Orden.
1955
Auguste Lazar engagierte sich viele Jahre lang stark für die Förderung junger Autoren, darunter Kurt David, Willy Meinck, Manfred Streubel, Rudolf Scholz.
1960
erschien "Jura in der Leninhütte".
1961
erschien "Die Schreckensherrschaft und das Glück der Anette Martin".
1965
erschien "Die Brücke von Weißensand".
1968
erschien "Kampf um Kathi- vier Mädchen- vier Schicksale", im Kinderbuchverlag Berlin aus Anlass des 80. Geburtstages von Auguste Lazar.
1970
Am 07. April 1970 starb Auguste Lazar 82- jährig in Dresden.

Bild: Auguste LazarBild: Auguste Lazar

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