Berthold Auerbach

Vergebens gelebt und gearbeitet!
Berthold Auerbach (1812 - 1882)
Bild: Unterschrift

Bild: Berthold AuerbachAls neuntes Kind von Edel und Jakob Auerbach kam am 28. Februar 1812 Moses Baruch (Berthold) Auerbach in Nordstetten zur Welt. Von 1825 bis 1827 studierte er an der Talmudschule in Hechingen und Karlsruhe zur Vorbereitung auf den Rabbiner-Beruf. Die Lebensdaten Berthold Auerbachs umfassen die Zeit von Beginn und Niedergang der "deutsch-jüdischen Weggemeinschaft" im Zeichen des Liberalismus (Toury). In seinem Geburtsjahr 1812 setzten die ersten preußischen Emanzipationsgesetze ein Signal, das deutschlandweit aber erst 1869 bzw. 1871 eingelöst wurde. Um 1882 wurde die so begonnene jüdische Integration durch den sich verstärkenden Antisemitismus zunehmend in Frage gestellt. Deutliches Zeichen dafür war in Auerbachs Sterbejahr der I. Internationale Antisemitenkongreß in Dresden. 1880 hatte Berthold Auerbach an seinen Freund und Verwandten Jakob Auerbach geschrieben: "Vergebens gelebt und gearbeitet!", womit er seine Erfahrungen zusammenfaßte, die am Ende seines Lebens die Hoffnungen auf eine Integration der Juden als deutsche Bürger zunichte zu machen schienen. Auerbachs gesamtes Werk sprach von dem Versuch, seine Identität als religiös freidenkender Jude, als regional gebundener Süddeutscher und als liberal kleindeutsch-preußischer Patriot in ein lebensfähiges Gleichgewicht zu bringen. Aber seine aufklärerische Utopie über eine versöhnte Gesellschaft mutete zum Ende hoffnungslos anachronistisch an.

1832
Immatrikulation zum Jurastudium an der Universität Tübingen.
1833
Verhaftung wegen seiner Mitgliedschaft in der Tübinger Burschenschaft "Germania" und kurz darauf wurde er von der Universität verwiesen.
1834
mit der Herausgabe von "Friedrich der Große, König von Preußen. Sein Leben und Wirken" begann Auerbachs schriftstellerische Laufbahn. Immatrikulation an der Universität Heidelberg
1835
Keine Zulassung zum Rabbinatsexamen
1836
Herausgabe von "Gallerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte, ihre Portraits und Biographien" sowie "Das Judentum und neueste Literatur - Kritischer Versuch"
1837
zweimonatige Festungshaft wegen der Mitgliedschaft in der verbotenen Studentenorganisation. Während der Haft Fertigstellung eines Romans über Spinoza. Beginn der Arbeit an "Spinoza", dessen 5- bändige Gesamtausgabe 1841 erscheint.
1840
Herausgabe von "Dichter und Kaufmann. Ein Lebensgemälde" über den Dichter Ephraim Moses Kuh. Der ausbleibende Erfolg seiner beiden Judenromane (über Spinoza und Moses Kuh) hinterließ bei Auerbach zeitlebens den Wunsch, ein weiteres Buch zu diesem Thema zu verfassen und mit aufklärerischer Absicht zu veröffentlichen. Die Entwürfe dafür blieben aber fragmentarisch.
1843
Herausgabe der "Schwarzwälder Dorfgeschichten - Erster Theil", in dem er mittels eines frühen Detailrealismus ein utopisches Modell deutsch-jüdischer Harmonie entwarf.
1846
Aufenthalt in Dresden, Begegnungen mit dem Maler Julius Hübner und dem Bildhauer Ernst Rietschel
1847
Heirat mit Auguste Schreiber in Breslau
1848
Geburt des Sohnes August, kurz darauf Tod von Auguste Auerbach, geb. Schreiber
1849
Heirat mit Nina Landesmann, die ihm 3 Kinder schenkte. Sie zogen nach Dresden. Hier entstand der Roman "Neues Leben".
1851
Mitglied im Dresdner Kunstverein, Auerbach wirkte 2 Jahre im Vorstand mit (1856-57).
1856
erschien das in Dresden verfasste Werk "Barfüßele" in Stuttgart.
1860
Umzug zuerst nach Schandau, kurz darauf nach Berlin
1865
Herausgabe des Romans "Auf der Höhe" zur Frage der Harmonisierung der Stände
1867
lebte die Familie in Bonn, Arbeit an dem Roman "Das Landhaus am Rhein", in dem er sich mit dem Problem der bürgerlichen Integration von Minderheiten und Fremden auseinandersetzte.
1880
die "Schwarzwälder Dorfgeschichten" wurden als Unterrichtsstoff für französische Schulen aufgenommen.
1881
Aufsatz "Die Genesis des Nathan. Gedenkworte zu Lessings hundertjährigem Todestag" Arbeit an dem Buch "Ben Zion". Verleihung des Ordens Karls III. durch Erlass des spanischen Königs
1882
Am Abend des 8. Februar starb Berthold Auerbach in Cannes.

Berthold Auerbach war ein sehr produktiver Schriftsteller. Er veröffentlichte fast jedes Jahr ein Buch oder Essays in Zeitungen, schrieb Reden und hielt Vorträge in ganz Deutschland. Er galt als Spezialist zu Spinoza und war beispielsweise in Weimar bei der Einweihung des Spinoza-Denkmals als Redner zugegen.

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Bild: KarikaturFriedrich Pecht und Arthur Remburg fertigten zu den Mitgliedern der Dresdner Montagsgesellschaft erbarmungslose Karikaturen. Während sich einige Künstlerkollegen darüber verärgert zeigten, reagierte Auerbach auf sein Bild höchst amüsiert. (Quelle: SLUB, Abt. Deutsche Fotothek)

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