Beschreibung Alter Friedhof

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Dieser Friedhof in Dresden ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof in Sachsen (heute:Bautzner Strasse) und damit eines der wichtigsten Zeugnisse der sächsischen-jüdischen Geschichte. Die erste Beerdigung war 1751 - vor nunmehr über 250 Jahren. Die letzte Beisetzung fand im Frühjahr 1900 statt. Seit dem ist der Friedhof geschlossen, wird aber entsprechend jüdischer Tradition bewahrt. Insgesamt blieben hier 807 Grabsteine erhalten. Sie spiegeln die architektonischen Einflüsse des Barocks, des Rokokos und des Klassizismus. Der Zustand der Steine ist akut durch die fortschreitende Verwitterung bedroht. Aus diesem Grund wurde der jetzige Bestand des Begräbnisplatzes im Verlauf eines dreijährigen Projektes durch Abschriften, Übersetzungen und Fotografien komplett aufgenommen und dokumentiert.

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Es wird einmal eine Zeit kommen, da nicht einer der Menschen mehr atmet, denen diese Gräber heute noch Erinnerung an sie tragen. Dann werden die Stämmchen zu Bäumen hoch gewachsen sein. Und in ihrem Schatten spielen vielleicht Kinder um einen letzten Hügel, einen letzten Stein.
(Edgar Hahnewald in "Der Alte Judenfriedhof", 1926)

Die Erfassung des Alten Jüdischen Friedhofes
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Zu Beginn der Gesamterfassung des Alten Jüdischen Friedhofes mussten wir uns einen Überblick über den tatsächlichen Bestand des Friedhofes verschaffen. Der erste Schritt war deshalb die komplette Vermessung und die Aufnahme aller Grabsteine in einen Übersichtsplan. Dazu war es notwendig, den Efeu und die Brombeeren, die die Steine teilweise völlig überwucherten, zurück zu schneiden, die Gräber frei zu legen. Dabei kamen zahlreiche Bruchstücke und verloren geglaubte Grabtafeln zum Vorschein. Einige der Bruchstücke konnten noch den originalen Grabsteinen zugeordnet werden. Soweit möglich, wurden diese Steine wieder zusammengesetzt, um eine authentische Abbildung zu erreichen. Auch durch den Abgleich von Inschriften konnten zusammengehörige Bruchstücke gefunden werden. Keiner der Steine aber wurde repariert, da dies der Arbeit nach der Erfassung vorbehalten bleiben muss. Als besonders hilfreich erwies sich ein Sterberegister aus Dresden, dass sich im Archiv Jad Vashem in Jerusalem befindet. Dank dieser Register war es möglich, auch bei mangelhaft erhaltenen Inschriften noch eine namentliche Zuordnung zu realisieren. Insgesamt wurde ein Bestand von 807 Grabsteinen in unterschiedlichem Zustand festgestellt. Von den einst 1.263 Beerdigten konnten 470 Namen, davon noch über 340 vollständig identifiziert und einer Grabstelle zugeordnet werden.

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Am 20. Juni 2002 brachen während eines schweren Unwetters zahlreiche Baumkronen herunter. Durch die Wucht des Aufpralls wurden mehrere Grabsteine unwiederbringlich zerstört. Dieses Ereignis verdeutlichte, wie dringend die vorgenommene Erfassung war, und wie notwendig weiterführende Maßnahmen zur Bewahrung des Friedhofes sind.

Die Erfassung

Jeder einzelne der 807 noch vorhandenen Grabsteine wurde fotografiert- wenn erforderlich auch die Rückseite oder Steindetails. Sämtliche Inschriften wurden abgenommen, die hebräischen Texte übersetzt. Außerdem wurden die Steine vermessen, das Material bestimmt, die verwendeten Symbole erfasst. Im Ergebnis konnte für jeden Stein ein solches Blatt, eine Art Visitenkarte zusammengestellt werden. Insgesamt fünf Bände umfasst nun die Gesamtdokumentation, die der Jüdischen Gemeinde Dresden und verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen in Dresden für weiterführende Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt wurden. Diese Gesamtdokumentation ist u.a. einsehbar in der Bibliothek von HATIKVA e.V., in der Sächsischen Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek, Abt. Deutsche Photothek, sowie im Stadtarchiv Dresden. Zusätzlich zu dieser Erfassung wurden die Daten im Computer eingegeben und, daraus abgeleitet, vergleichende Register angelegt: sortiert nach der neu eingeführten Nummerierung der Steine, nach dem alphabetischen Verzeichnis der namentlich identifizierten Gräber, nach Herkunftsort der Verstorbenen und nach Berufen und Gemeindefunktionen, die häufig in den Grabinschriften genannt worden sind. Durch ehrenamtliche Mitglieder der Projektgruppe wurde außerdem intensiv in den Archiven das dort vorhandene Material gesichtet und ausgewertet. Trotz großer Anstrengung ist es nicht gelungen, alle Akten einzubeziehen, so dass für weitere Nachforschungen Bedarf besteht.

Diese beiden Fotos zeigen deutlich den fortschreitenden Verlust durch die Verwitterung der Steinsubstanz. Das linke Bild wurde 1960 aufgenommen, das Rechte 40 Jahre später. Die beiden Grabsteine schienen lange verloren, wurden aber nach dem Rückschnitt des Efeus wiedergefunden. Der große Grabstein links ist unrettbar zerstört. Verschwunden ist leider auch das schöne Schmuckgitter, welches das Grab mit der Schlangensäule einst umgab.

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