Familie Hermann Biber

Bild: Grabstätte von Hermann Biber
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Bild: Grabstätte von Hermann Biber auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden

Inschrift:
(Hier ruht)
Hermann Biber
Geb. 08.12.1869
Gest. 11.09.1951
(Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens)

Bild: Hermann Biber
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Hermann Biber (geb. am 8.12.1869 in Stargard/Preußen) absolvierte von 1884-1888 eine Lehre als Verkäufer beim Textilwaren-Einzelhandel. In Leipzig lernte er seine erste Frau Rosette (geb. Jacoby, 1871-1932) kennen und heiratete sie im Jahr 1895. Zusammen hatten sie drei Kinder Curt, Margarethe und Johanna.
Später zogen die Bibers nach Leipzig, dann nach Dresden, wo Hermann als Prokurist in einer Textilfirma arbeitete. Rosette verstarb in Dresden am 30.September 1932.
Im Jahr 1941 ging Hermann Biber eine zweite Ehe mit Ilse, geb. Michalowski ein, die er im "Judenhaus" auf der Kurfürstenstraße (heute Hoyerswerdaer Straße) kennen lernte. Später mussten sie zwangsweise in das "Judenhaus" Sporergasse 2 umziehen. Beide wurden am 28. Juli 1942 mit dem Transport V/3 nach Theresienstadt deportiert. Ilse arbeitete dort als Pflegerin. Sie erkrankte 1943 schwer an Thyphus und starb daran nach der Befreiung in Theresienstadt. Hermann betreute sie bis zu ihrem Tode am 30. Juli 1945 und zog anschließend zu seiner Tochter Johanna nach Freiberg. In der Jüdischen Gemeinde war Hermann Biber nach dem Krieg als Vorbeter aktiv, da es weder Rabbiner noch Kantoren gab. Solange es ihm möglich war, fuhr er zu jedem Gottesdienst nach Dresden, um dort sein Amt zu verrichten. Aus diesem Grund wird noch heute sein Grab vor der Gemeinde betreut. Er verstarb am 11. September 1951 in Freiberg.

Bild: Grabstätte der Rosette Biber
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Bild: Grabstätte der Rosette Biber und ihrer Töchter auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden

Inschrift:
Rosette Biber
Geb. Jacoby
Geb. 30.07.1881
Gest. 23.09.1932
Margarethe Perthel
Geb. Biber
Geb.10.02.1901
vergast in Auschwitz am 31.05.1943
Johanna Patzschke
Geb. Biber
Geb.18.11.1896
Gest. 20.09.1973
Unvergessen

Bild: vlnr.: Margarethe, Hans und Johanna
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Bild: vlnr.: Margarethe, Hans (Gatte v. Johanna) und Johanna Margarethe Perthel, geb. Biber

Margarethewurde am 10. Februar 1901 in Leipzig geboren. Ihr Vater Hans Perthelwar Kaufmann und Nichtjude. Er war Christ. Die gelernte Opernsängerin hatte eine Tochter, namens Rosemarie.Margarethe wurde am 31.Mai in Auschwitz vergast.
Johanna Patzschke, geb. Biber,geboren am 18. November 1896 in Leipzig, heiratete am 30. Juli 1920 den evangelischen Mann Albert Hans Walter Patzschke(gest. 12. August 1971). Mit ihren gemeinsamen Töchtern Ursula Margarethe Erna(geb. 28. Januar 1925 in Leipzig) und Brigitte Ingrid(geb. 5. Juni 1930 in Leipzig) zogen sie 1935 nach Freiberg.

Bild: Hermann und Rosette Biber
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In der Familie war Hermann Biberals sehr lieb, gesellig und fröhlich bekannt. Er kannte alle Opern und liebte es, den Enkelkindern Brigitte, Ursula und Rosemarieselbsterdachte Märchen zu erzählen.
Seine Frau Rosette fertigte oft Kelim-Stickereien, wie zum Beispiel Teppiche (siehe Bildleiste, 3. Bild von links) an.

Bild: Curt Biber mit seinen Eltern Hermann und Rosette
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Curt Biber, Sohn von Hermann und Rosette, wurde am 10. Dezember 1895 in Leipzig geboren.
Mit jungen 19 Jahren ging er zur Front. Er diente in der Königlich-Sächsischen Armee (8. Kompanie, 3. Regiment 146) unter König Friedrich August 3. und fiel am 15. Oktober 1916 in Gheluwe-Koelberg/Belgien in der Nähe von Ypern. Curt wurde als einjähriger Gefreiter auf dem Soldatenfriedhof in Ypern begraben, später nach Menen überführt und auf dem dortigen Soldatenfriedhof beigesetzt.
Bild rechts: Curt mit seinen Eltern

Bild: Johanna Patzschke
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Hans Patzschkewar Soldat im 1. Weltkrieg und wurde erneut 1939 zur Armee eingezogen (Einsatz: Polen, Frankreich). Bei der Freiberger Textilfirma "Rönsch" arbeitete er als Handlungsreisender. 1940/41 wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet, wo man ihn als Geschäftsführer in der Freiberger Firma Beier einsetzte. 1944 wurde er verhaftet und musste in ein Lager der Organisation Todt nach Osterode. Zum Kriegsende gelangte er nach Bayreuth, wo er sich eine neue Existenz aufbaute. Die Versuche, seine Familie nachkommen zu lassen, scheiterten an der Spaltung Deutschlands im Kalten Krieg nach 1945. Hans starb dort im August 1971. Während der NS-Zeit konnte er seine Frau Johanna davor bewahren, den Stern tragen zu müssen, da sie mit ihm in sog. "privilegierter Ehe" stand. Dennoch erhielt sie ihren Deportationsbefehl für den 16. Februar 1945. Dieser Transport nach Theresienstadt kam auf Grund des Bombenangriffs auf Dresden aber nicht mehr zustande. Auch sie war dienstverpflichtet worden: in Heimarbeit stickte Johanna Pailletten und Uniformkragen.

Bild: Klassenfoto Brigitte Patzschke
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Tochter Brigitte(3. Reihe, 4. v.l.) berichtete von ihren täglichen Qualen in der Schule während der Nazizeit: "Viel schlimmer war es nach den Schulstunden. Oft lauerten meine Mitschüler vor der Schule auf mich, um mich zu verprügeln und ich lebte in ständiger Angst vor dem Heimweg. Meist wartete ich noch Stunden nach dem Schulschluss im Klassenraum, bis ich hoffen konnte, ohne Schläge und Beschimpfungen nach Hause zu kommen. Meine Freundin hielt zu mir und harrte Stunden voller Angst mit mir aus."

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