Biographien

Auf dem Alten Jüdischen Friedhof wurden zahlreiche Persönlichkeiten und Angehörige berühmter Familien beerdigt, die sowohl für die Jüdische Gemeinde Dresden als auch für Sachsen von Bedeutung waren. Einige von ihnen werden hier kurz vorgestellt, um die Erinnerung an sie wach zu halten:

Dr. Bernhard Beer (Grab 34/01) lebte von 1801 bis 1861. Er war einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten und erhielt für seine wissenschaftlichen Leistungen die Ehrendoktorwürde der Leipziger Hochschule. Intensiv setzte er sich für ein besseres Verständnis zwischen Christen und Juden und für die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden ein. Bernhard Beer war der erste Vorsteher der 1837 offiziell begründeten Jüdischen Gemeinde von Dresden.

Familie Bondy (viele Einzelgrabstellen, abgebildet ist Grab 15/01 von Isaak Bondy, das Porträt zeigt den Rechtsanwalt Felix Bondy, 1860-1934) wanderte in der Mitte des 18. Jahrhunderts nach Dresden ein, nachdem sie aus Prag vertrieben worden war. In Dresden gehörten die Bondis bald zu den bedeutendsten jüdischen Familien. Ihre Mitglieder hatten zahlreiche Gemeindefunktionen inne und engagierten sich durch Stiftungen für das Allgemeinwohl. Sie unterstützten den Kauf des Friedhofes und später den Bau der Semper- Synagoge. Das 1755 gegründete Bankhaus der Familie war eines der ältesten Bankhäuser Deutschlands. Dr. Marcus Bondy, 1787 bis 1863, (Grab 35/10) war ein berühmter Gelehrter und Naturforscher. Auf dem Friedhof finden sich mehr als 30 Grabstellen, die der Familie Bondy zugeordnet werden können.

Moritz Elimeyer (Grab 34/07) lebte von 1810 bis 1871. Er war Hofjuwelier und hatte sein von Gottfried Semper gestaltetes Geschäft am Jüdenhof. Seine Berufung zum Hofjuwelier 1835 war mit Protesten der Dresdner Handwerker verbunden, die es als unerträglich empfanden, dass ein Jude dieses Amt bekam. Innerhalb der Gemeinde engagierte sich Elimeyer als Vorsteher des Kranken-Unterstützung-Institutes und Verwaltungsmitglied des Moses- Mendelssohn- Vereins. Genannt sei hier auch sein Bruder Philipp Elimeyer (Grab 34/05), der von 1801 bis 1860 lebte. Philipp Elimeyer begründete 1829 ein nach ihm benanntes Bankhaus. 1938 verlangte die Industrie- und Handelskammer, dass "nach der vor 3 Jahren vollzogenen Entjudung" nun auch der jüdische Name verschwinden soll. Später ging das Bankhaus in der Deutschen Bank auf.

Jeremias David Alexander Fiorino (Grab 29/20) lebte von 1797 bis 1847. Der aus Kassel stammende Fiorino gehörte zu den bekanntesten Miniaturenmalern seiner Zeit. In Hessen wurde er durch den dortigen Kurfürsten aktiv gefördert. Hier hatte er auch seinen ursprünglichen Beruf eines Porzellanmalers erlernen können- denn in Hessen durften auch Juden einen handwerklichen Beruf ergreifen. Mit kurfürstlichen Stipendien versehen kam Fiorino nach Rom, Wien und Dresden. In Dresden arbeitete er vor allem für das sächsische Königshaus. In der sächsischen Residenz verliebte er sich in Hanna Elb, die er jedoch nur heimlich ehelichen konnte. Arbeiten von Fiorino sind noch heute in der Dresdner Gemäldegalerie und dem Stadtmuseum Kassel zu sehen. Manche Bilder gelten als verschollen.

Familie Kaskel abgebildet sind die Gräber 32/09 und 32/10 von Michael und Sarah Kaskel, das von Fiorino gemalte Porträt zeigt vermutlich Karl Baron von Kaskel) gehörte ebenfalls zu den renommierten jüdischen Familien der Stadt. 1771 gewährte der Kurfürst Friedrich August III. dem polnischen Juden Jacob Kaskele das Aufenthalts- und Geschäftsrechts. Das Kaskelische Bankhaus entwickelte sich so erfolgreich, dass die Familie bald als die "sächsischen Rotschilds" bezeichnet wurde. Die später von Michael Kaskel geleitete Bank bildete 1872 eine wichtige Basis für das Entstehen der Dresdner Bank. Die Familie war nicht nur für die Wohltätigkeit engagiert, sondern förderte auch die Kunst, vor allem die Musik. Frederic Chopin, Robert Schumann und Clara Wieck waren häufig Gäste des Hauses. Karl Baron von Kaskel (1798-1874) komponierte wohl sogar selbst.

Mendel Schie (Grab 32/11) lebte von 1784 bis 1848. Mendel entstammte der Familie des Löbel Schie, der der erste Judenbesteller der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde war und sich in diesem Amt auch um die ordnungsgemäße Beerdigung der Toten zu kümmern hatte. über mehrere Generationen blieb dieses Amt bei der Familie Schie. Diese Tätigkeit war von zahlreichen Schwierigkeiten überschattet. Erst Mendel Schie übernahm das Amt nicht mehr und begründete stattdessen in der Pirnaischen Gasse ein Wechselgeschäft. Mendel Schie war sowohl beruflich als auch gesellschaftlich sehr erfolgreich. Er unterstützte unter anderem die städtische Armenversorgung und unterhielt auf seine Kosten in seinen Privaträumen eine Synagoge, wirkte in der Beerdigungsbruderschaft mit, und war von 1813 bis 1837 Gemeindeältester.

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