Bruno Gimpel

Leben unter schweren breiten Wolkenfronten
Bruno Gimpel (1886-1943)

Bild: Selbstporträt von Bruno GimpelBruno Gimpel wurde am 14. Januar 1886 in Rostock geboren. Sein Vater Julius Gimpel war Kaufmann und Mitinhaber der Firma Max & Julius Gimpel, Tuch-, Leinen-, Manufaktur- und Modewarengeschäft am Rostocker Hopfenmarkt. Nach der Schule ging Gimpel für drei Jahre bei dem Dekorationsmaler Krause in Rostock in die Lehre. Als Bruno Gimpel im April 1943 vor der erzwungenen Aufgabe seiner Wohnung stand, und nach der Ermordung seines Freundes Prof. Dr. med Heinz Conradi, war Bruno Gimpel den Belastungen nicht mehr gewachsen und setzte seinem Leben mit 57 Jahren selbst ein Ende. Er tötete sich mit Gas am 28. April 1943 in seiner Wohnung in der Dresdner Villa Mendelssohnallee 10, damals Deutsche Kaiserallee. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden.

"Der Maler Bruno Gimpel war allen sympathisch, und er ist nicht ganz ein Opfer der Gestapo; er stand vor der Erblindung, er hing wohl nicht mehr fest am Leben, und als er nun seine Wohnung aufgeben sollte und unter dem Druck der Mordfälle in seiner nächsten Nähe ... öffnete er in Abwesenheit seiner arischen Frau den Gashahn." (aus: Victor Klemperer, Tagebücher von 1933-1945, Eintrag 1. Mai 1943)

1905-1908
Studium an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf
1911-1914
Fortsetzung seiner Studien bei Otto Gußmann an der Kunstakademie Dresden, Von Gußmann, einem der damals einflussreichsten und erfahrendsten Künstlern für die Baudekoration, blieb Gimpel zeitlebens geprägt. In Rostock schuf Bruno Gimpel zahlreiche Bleiglasfenster - so für die Feierhalle des Krematoriums sowie für den Kapellenraum des pathologischen Institutes der Universität.
1914-1918
Freiwilliger Krankenpfleger im I. Weltkrieg In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg war "Kunst am Bau" wenig gefragt. Gimpel wirkte in dieser Zeit vor allem als Gebrauchsgrafiker, gestaltete zahlreiche Plakate, darunter viele für Kunstausstellungen. Seine Entwürfe für Plakate, Vignetten, Werbedrucksachen oder Briefköpfe aus dieser Zeit sind vom Expressionismus und dem Stil der Sezessionisten beeinflußt. Sie zeigen klare, strenge Formen. Außerdem malte Gimpel Aquarelle - vor allem Landschaften in Sachsen und Norddeutschlands, von denen einige in Dresden (Kunsthochschule, Stadtmuseum) erhalten geblieben sind.
1921
Gimpel nahm seinen ständigen Wohnsitz in Dresden
1923
Heirat mit der Musikerin Irene Herzing Vorsitzender der Ortsgruppe Dresden des Bundes Deutscher Gebrauchsgraphiker und trat als Reklamezeichner hervor.
1931
Wanderausstellung von Werken jüdischer Künstler in den Räumen der Fraternitas-Loge in Dresden, darunter Bilder von Bruno Gimpel, Miron Sima und Brock
1933
Ausstellung jüdischer Künstler der Nachkriegszeit in der Fraternitasloge, darunter Bruno Gimpel, Lea Langer, Miron Sima, Lasar Segall, Else Meidner, Jakob Steinhardt, Gregor Rabinowic
1935
Berufsverbot. Es blieb ihm nur noch die Arbeit im Rahmen des jüdischen Kulturbundes und der Jüdischen Gemeinde, z. B. beteiligte er sich an der typographischen Gestaltung des Gemeindeblattes
1936
hatte er versucht, während einer Reise nach Schweden seine Emigration anzubahnen. Dieses Projekt zerschlug sich.
1937-1939
gab Bruno Gimpel jüdischen Kindern Zeichenunterricht, dann erfolgte die Verpflichtung zur Zwangsarbeit
1938
entstand eine Kohlezeichnung der Synagoge. Dieses Bild wurde als Kupferstich dupliziert und jeden auswandernden Gemeindemitglied als Erinnerung an Dresden mitgegeben.
1942
Erblindung des linken Auges durch ein starkes Augenleiden, das rechte Auge war ebenfalls stark angegriffen
1943
Zwangsarbeit in der Firma "Willy Schlüter", wo er wie Victor Klemperer Kräutertees abfüllen und verpacken muss

Bild: Grab von Bruno und Irene GimpelDas Grab von Bruno und Irene Gimpel auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden

Bild: Irene GimpelDieses Bild von seiner Frau Irene Gimpel hatte Bruno Gimpel 1930 gemalt. Es befindet sich heute im Besitz der Dresdner Galerie Neue Meister.

Bild: KennkarteDie Kennkarte Bruno Gimpels mit dem eingedruckten "J"

Bild: BeitragBruno Gimpels Beitrag zur Aktion 50 Deutsche Gebrauchsgrafiker auf der Berliner U-Bahn

Bild: VignettenVignetten der Schriftguss A.G.,vorm. Gebrüder Butter, Dresden nach Entwurf von Bruno Gimpel

Bild: Anzeige im GemeindeblattAnzeige im Gemeindeblatt der Israel. Religionsgemeinde Dresden von 1938, mit der Bruno Gimpel um Zeichenschüler warb. Eine andere Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen war ihm nach dem Berufs- und Ausstellungsverbot nicht mehr geblieben.

Bruno Gimpels Entwürfe für Plakate, Vignetten, Werbedrucksachen oder Briefköpfe aus der Zeit nach dem I. Weltkrieg waren vom Expressionismus und dem Stil der Sezessionisten beeinflußt. Sie zeigen klare strenge Formen. Etliche der Gruppe "Dresdner Sezession Gruppe 1919" waren, wie Gimpel, Schüler von Otto Gußmann.

Doch Gimpel trat dieser Vereinigung nie bei. Er wies in seinem Schaffen durchaus vielfältige Stilrichtungen auf. Dies wurde in einer Wanderausstellung von Werken jüdischer Künstler deutlich, die Anfang März 1931 in der Fraternitas-Loge in Dresden gezeigt wurde. Darin war Gimpel mit farbenfreudigen Stilleben und einigen stimmungsvollen Landschaften vertreten.

"Wer dauernd unter dem wolkenlosen Himmel von Florenz lebt, muß ein anderer sein, als der, der tagein, tagaus schwere breite Wolkenfronten über die See hinziehen sieht ... Bruno Gimpel ist ein Norddeutscher. Und er verleugnet seine Abkunft nicht. Er nimmt das Leben gewiss nicht leicht. Vielleicht sogar zu ernst. Ihm fehlt der Schuss Champagner, den Bismarck dem Deutschen ins Blut wünschte ..." (aus Georg Paech "Der Rostocker Maler Bruno Gimpel", in Mecklenburgische Monatshefte, 1929)

"Ausstellung der Aquarelle von Bruno Gimpel In dem neu ausgebauten Untergeschoss des Gemeinde- Anwesens, Zeughausstr.1, findet zur Zeit eine beachtliche Ausstellung zahlreicher Aquarelle des bekannten Dresdner Kunstmalers Bruno Gimpel statt, die von einer starken Weiterentwicklung des Künstlers Zeugnis ablegen.

Er hat sich diesmal besonders liebevoll in die uns sympathisch vertraute Landschaft um Porschendorf versenkt, deren schöner Linienfluß auch schon andere Sächsische Maler (so früher Prof. Dreher) durch ihren idyllischen Reiz angezogen hat. Gimpel hat die Gegend unseres wohlbekannten Kinderheims in stimmungskräftigen Ausschnitten dargestellt: so ein Stück der Porschendorfer Landstraße, eine Stelle an der ruhig fließenden Wesenitz, am Finkensteg, ein Blick ins Dorf, die Spielwiese auf dem Scoller'schen Gelände mit den ballspielenden Kindern im Hintergrund und dem hohen dunklen Felsen als malerischen Abschluss oder auf einem besonders freudigen Aquarell: Porschendorf in der Sonne. E. B."
(Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden, Nr. 23, 01. Dezember 1937)

Bild: GedenktafelFür die Gefallenen des I. Weltkrieges aus der Gemeinde hatte Bruno Gimpel 1935 diese Gedenktafel gestaltet. Sie hing bis zur Zerstörung 1938 im Neuen Anbau an der Semper-Synagoge.

Bild: ErholungsheimDieses Foto von 1936 zeigt das von der Jüdische Gemeinde in Porschendorf eingerichtete kleine Erholungsheim

Bild: Bruno Gimpel in Porschendorf1937 besuchte Bruno Gimpel Porschendorf und hatte hier zahlreiche Aquarelle gemalt.

Bild: Nachrichtenblatt der Jüdischen Gemeinde1937 schuf Bruno Gimpel einen neuen Kopf für das Nachrichtenblatt der Jüdischen Gemeinde. Außerdem zeichnete er 1938 die Dresdner Synagoge so, daß der 1935 errichtete neue Anbau zwischenden beiden Westtürmen zu sehen ist. Diese Zeichnung wurde später als Kupferstich vervielfältig und den Gemeindemitgliedern, die auswanderten, als Erinnerung an die Dresdner Gemeinde mitgegeben.

nach oben