Die Erfassung der Grabdaten

1. Daten vor Ort erfassen

Bild: Grabstätte
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Grabstätte von Emilie und ihrem Mann Wolf Gattel auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden.

Inschrift der rechten Tafel:
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Hier ruht in Frieden Herr Wolf Gattel
geb. 10. Februar 1805 (11. Adar l 5565)
gest. 12. Juli 1883 (7. Tamus 5643).

Bild: Datenerfassung
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Datenerfassung auf dem "Neuen Israelitischen Friedhof" in Dresden.
Die Daten werden mit dem Sterberegister der Jüdischen Gemeinde Dresden und anderen Quellen verglichen, wenn möglich dadurch vervollständigt. Außerdem werden die Grabdaten in ein Formular eingetragen. Darunter zählen die Grabmaße, Beschaffenheit, verwendetes Steinmaterial, Symbole, Grabtyp und Besonderheiten. Bei außergewöhnlichen Steinformaten wird zusätzlich eine Skizze angefertigt.

2. Aufnahme der Grabinschriften

Bild: Inschrift
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Bei Aufnahmen der Inschriften muss auf Einiges geachtet werden. Im Hebräischen werden Abkürzungen, Akrostichon und Ligaturen für bestimmte Ausdrücke verwendet. Typisch sind die verwendeten Abkürzungen in den Anfangs- und Schlusszeilen.

Anfangszeile: hier ist verborgen - hier ist begraben
Endzeile: Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

Bild: Formular
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Die Inschrift der Grabsteine wurde auf der Rückseite des Formulares mit allen Besonderheiten übertragen. Abkürzungen, Ligaturen und Akrostichon werden farblich gekennzeichnet. Die Steine sind meist mit zwei verschiedenen Sprachen beschriftet. Wir fanden Inschriften in Hebräisch, Deutsch, Englisch, Ukrainisch, Polnisch und Russisch. Bei einigen Gräbern ist die deutsche Sprache in Altdeutscher Schrift aufgesetzt.
Gleichzeitig wurden alle Steine photografisch erfasst.

Bild: Ligatur
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Ligaturen sind die grafische Zusammenfassung mehrerer Buchstaben zu einem.

oben links: Diese Kombination wird verschieden interpretiert, eine Variante steht für Almanat = Witwe
oben rechts: ist die Abkürzung für "nach der kleinen Zählung", womit daraufhin gewiesen wird, dass die Jahreszahl des jüdischen Kalenders ohne Tausender dargestellt wird.

Bild: Akrostichon
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Akrostichon sind größer geschriebene Anfangsbuchstaben am Zeilenanfang oder innerhalb der Zeile, aus denen jeweils ein neues Wort gebildet wird.
Die Buchstaben, die für das Akrostichon verwendet wurden, ergeben meistens den Namen des Verstorbenen. Im Bild wurde durch die Anfangsbuchstaben jeder Zeile der Nachname "Loheit" dargestellt.

Bild: Jahreszahlen
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Eine Sonderstellung nehmen die jüdischen Jahreszahlen ein, denn sie werden mit Buchstaben dargestellt. Jedes Schriftzeichen hat einen bestimmten Zahlenwert. Jahreszahlen können im Hebräischen in zwei verschiedenen Varianten auftreten. Der jüdische Kalender wird von Beginn der Welt nach biblischer Überlieferung berechnet.
Nach der großen Zählung (5 Zeichen) schreibt man die Tausender mit ( steht für die Zahl 5000) und nach der kleinen Zählung fallen die Tausender weg.

3. Eingabe in den Computer und Druck

Bild: Druck
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Mit Hilfe der Aufzeichnungen werden nun die aufgenommenen Daten in ein Dokument eingetragen, das später gedruckt wird.
Die Gräberfotos, die Inschriften und zusätzlich eine Übersetzung der Fremdsprachen sind Bestandteil dieses Formulars. Bei der Eingabe wird überprüft, ob eventuell Verwandtengräber existieren. Diese werden unter dem Vermerk "Verwandtengräber" hinzugefügt.
Konnten die Angaben auf dem Grabstein durch andere Quellen ergänzt werden, sind die verwendeten Quellen entsprechend zu vermerken.
Eingetragen wird ebenfalls, welche Pflanzen sich auf dem Grab befinden.

Bild:
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Oft werden bestimmte häufig verwendete hebräische Begriffe oder sogar Bibelauszüge nur mit dem ersten, manchmal aber auch einem Teil der Buchstaben geschrieben. Über so abgekürzten Worten weist ein besonderes Zeichen darauf hin.

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