Die Geschichte der Feierhalle

Bild: Feierhalle
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Der akademisch studierte Architekt Ernst Giese (Architekt des Hauptbahnhofes und der Martin- Luther- Kirche in Dresden) plante eine neue Bebauungsstruktur für den Stadtteil Dresden- Johannstadt. Möglicherweise in diesem Zusammenhang entwickelte er 1866/1875 den Plan zur Anlage des jüdischen Friedhofes und zur Feierhalle. Mit dem klar strukturierten Bau erhielt die Jüdische Gemeinde erstmals ein festes und zugleich festliches Gebäude für die Aufbahrung der Toten. In dem Gebäude befand sich außerdem eine Wohnung für den Totengräber.

Bild: Ruine der Feierhalle
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Bei dem schweren Bombenangriff auf Dresden am 13.02.1945 wurde auch die Feierhalle getroffen und brannte völlig aus. Die straßenseitige Friedhofsmauer war zuvor für die Errichtung von Panzersperren abgebrochen worden. Die Reste sind auf dem Bild noch erkennbar.
Durch das Feuer wurden auch die alten Begräbnisbücher vernichtet, so dass es nach dem Krieg keine Unterlagen mehr über den Friedhof gab.

Bild: Plan für Neuaufbau
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Bereits wenige Jahre nach dem Krieg begann die Planung für einen Neuaufbau. Die ersten Entwürfe lieferte der Baurat Curt P. Müller- Harzer. Eine Variante mit überragendem Turmaufbau ist auf der Zeichnung zu sehen. Diese Entwürfe erwiesen sich jedoch als kostenaufwendig und konnten in der Notzeit nach dem Krieg nicht realisiert werden.
Für den Neuaufbau engagierte sich die sächsische Handwerkskammer, der WN und viele Gemeindemitglieder mit Geld- und Sachspenden sowie Arbeitsleistungen. Einen großen Teil der Kosten übernahm die Regierung. Für eine Gedenktafel im Inneren spendeten die Gemeindemitglieder goldene Ringe und Uhren, um damit Blattgold für die Buchstaben der Inschrift beschaffen zu können.

Bild: neue Feierhalle
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Realisierbare Pläne lieferte schließlich der Architekt Edmund Schuchardt, der den alten Grundriss und nutzbare Mauerreste kostengünstig einbezog. So ähnelt das Gebäude in seiner Struktur der ursprünglichen Feierhalle. Zur rituellen Trennung vom Friedhof wurde das Haus mit einer Pflanzenhecke umgeben.

Bild: Einweihung der Synagoge
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Trotz des ständigen Materialmangels der Nachkriegszeit konnte das Gebäude als erste neu errichtete Synagoge auf dem Gebiet der DDR am 18.06.1950 eingeweiht werden. Vertreter aller Parteien, der Regierung und der Öffentlichkeit wohnten diesem Ereignis bei, das der Dresdner Kreuzchor sowie der Leipziger Synagogenchor festlich umrahmten.

Bild: Fenster mit Davidstern
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Bis zum Jahr 2001 diente das Gebäude der Dresdner Gemeinde als Synagoge. Mit der Einweihung der Neuen Synagoge am Hasenberg wurde das Haus seiner ursprünglichen Bestimmung als Trauerhalle zurückgegeben. Seitdem verdeckt ein schwarzer bestickter Vorhang die Ostseite, wo damals die Thorarollen standen. Die Gedenktafeln, 1950 links und rechts des damaligen Thoraschreins angebracht, erinnern an die Opfer der NS-Zeit. Das an der Westseite aus Antikglas gefertigte Fenster mit Davidstern hatte 1950 die Malerin Rüther- Rabinowicz geschaffen.

Bild: Davidstern vom Dach der Sempersynagoge
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1947 gab die Feuerwehr der Jüdischen Gemeinde einen originalen Davidstern vom Dach der Sempersynagoge zurück. Er war 1938 von dem Feuerwehrmann Alfred Neugebauer gerettet worden. 2001 wurde dieser Stern von der Feierhalle abgenommen und durch eine Kopie ersetzt. Das Original ist nun in der Neuen Synagoge.

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