"Fortuna-GmbH" in Flöha

Die "Fortuna GmbH" der Erla-Werke Leipzig - ein Außenlager des KZ Flossenbürg

Im März 1944 wurde in einer stillgelegten Tüllfabrik (später VEB Texturseidenwerk) in Flöha ein Außenlager des KZ Flossenbürg eingerichtet. Die ERLA-Maschinenfabrik Leipzig produzierten hier Rumpfteile für das Jagdflugzeug Me 109. Mit der Außenstelle in Flöha wurden die bereits auf gleicher Basis errichteten Produktionsstätten in Johanngeorgenstadt und Lengenfeld ergänzt. Um den eigentlichen Zweck der Firma zu verschleiern, erhielt der Betrieb in Flöha den zivilen Tarnnamen "Fortuna-GmbH". Ab dem 12. April wurden 248 Häftlinge eingesetzt. Ende Mai 1944 wurden weitere 190 französische Häftlinge aus Buchenwald über Auschwitz an die "Fortuna-GmbH" überstellt. Ein halbes Jahr später betrug die Anzahl der Häftlinge bereits 590. Im Februar 1945 waren die beiden am stärksten vertretenen Nationalitäten unter den Häftlingen Russen (309) und Franzosen (159), gefolgt von 79 Polen, von denen 24 Juden waren. Außerdem gab es in dem Lager auch 15 sogenannte Reichsdeutsche sowie Italiener, Jugoslawen, Litauer, Tschechen und 2 Staatenlose. Der Lagerführer, ein SS-Oberscharführer Brendel war berüchtigt für seine schweren Mißhandlungen und Ermordungen von Häftlingen. Zwei junge Russen ließ er wegen angeblicher Sabotage hängen. Das Verfahren der Staatsanwaltschaft Nürnberg gegen den Kommandoführer Brendel wurde, da man ihn nicht ausfindig machen konnte, eingestellt.

Bild: Forderungsnachweis
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Von den eingesetzten Häftlingen wurden die meisten als sogenannte Facharbeiter gemeldet, obwohl die wenigsten von ihnen eine fachliche Vorbildung für diese Arbeit hatten. Ziel dieser Fehlmeldung war es, eine höhere Summe pro Häftling in Rechnung stellen zu können - ein Facharbeiter "brachte" 6 Reichsmark, ein Hilfsarbeiter hingegen nur 4 Reichsmark.

Quelle: Bundesarchiv Berlin

Bild: Rücküberstellung
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Kranke - und damit nutzlos gewordene Häftlinge wurden vor allem am Anfang regelmäßig nach Flossenbürg überführt, wo die meisten von ihnen starben. Der Älteste auf den beiden nebenstehenden Listen war 43 Jahre und der Jüngste gerade einmal 17 Jahre alt. In einer der sogenannten "Rücküberstellungsaktionen" wurden 22 jugendliche Russen der Jahrgänge 1926 und 1927 nach Flossenbürg geschickt. Später richtete man in einer Ecke des Schlafsaals ein mit Brettern abgetrenntes Krankenrevier ein, wo zunehmend TBC-Kranke und Opfer von Arbeitsunfällen untergebracht wurden. Im Januar 1945 lagen hier über 50 Kranke.

Quelle: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Bild: Pierre Volmer
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Einer der französischen Häftlinge, der 1944 bis 1945 in Flöha zur Zwangsarbeit eingesetzt wurde, war Pierre Volmer (rechts), später Universitätsprofessor. Er zeigte hier einer Gruppe das Stammlager Flossenbürg in Bayern.

Quelle: "Der Neue Weg", Zeitung aus Weiden, Oberpfalz

Bild: Aluminiumblättchen
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"Souvenir Septembre 1944, Flöha" steht auf diesem kleinen Aluminiumblättchen, das ein KZ-Häftling in Flöha heimlich aus Werkstoffresten in der Flugzeugfabrik angefertigt hatte. Wäre er damit erwischt worden, hätte man ihn sehr wahrscheinlich wegen Sabotage gehängt.

Quelle: "Der Neue Weg", Zeitung aus Weiden, Oberpfalz

Bild: Fabrikgebäude
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Untergebracht waren die Häftlinge in einem mehrstöckigen Fabrikgebäude, das mit Stacheldraht umzäunt und von Wachtürmen umstellt war. Die Arbeitsplätze befanden sich im selben Gebäude. Während der zunehmenden Fliegeralarme mußten die Häftlinge in den Keller gehen. Die dadurch verlorene Arbeitszeit mußten sie nacharbeiten.

Denkmal
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Denkmal für die Opfer des Lagers Flöha in dem ehemaligen Betriebsgelände. Insgesamt sind in dem KZ-Außenlager Flöha 42 Menschen ums Leben gekommen. Durch regelmäßige Überführung von Kranken nach Flossenbürg wurde die zusätzliche Zahl der dort Verstorbenen nicht erfaßt. Das Lager in Flöha wurde am 14. April 1945 vor den heranrückenden Allierten "evakuiert". Die 600 verbliebenen Häftlinge sollten eigentlich nach Flossenbürg marschieren. Der Lagerkommandant Brendel erschlug in der ersten Nacht drei Häftlinge. Am nächsten Tag ließ er 57 Kranke und erschöpfte Häftlinge in einem Wald bei Reitzenhain erschießen. Auf dem fast 4wöchigen Fußmarsch starben fast täglich Häftlinge. Am 6. Mai 1945 erreichten die Überlebenden Theresienstadt. Dort wurden sie von sowjetischen Truppen befreit.

Bild: Robert Desnos
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Unter den französischen Häftlingen waren viele Intellektuelle. Der Bekannteste war der surrealistische Schriftsteller Robert Desnos, der seine Mitgefangenen durch den Vortrag eigener Lyrik und durch die Organisation von Gesangsabenden anregte. Er überlebte die Strapazen der Haft und des Todesmarsches nur wenige Wochen und starb am 8. Juni 1945 im Alter von nur 44 Jahren.

Ein Märchen (Robert Desnos)

Der kleine Däumling verliert
sehr viele Schlüssel auf dem
düsteren Pfad im Wald
Deswegen schließen sich so viele Türen
Warum ist Ihre Tür verschlossen ?

Klopf an die Tür ans Fenster
Ein Licht wandert vom Keller zum Dachboden
Man hört den Atem Ihres Schlafes

Sind Sie eine Gefangene im eigenen Haus?
Rufen Sie nicht die Schatten des Waldes?
Der Schlüssel ins Freie ist verloren
Dann brechen Sie doch das Schloss auf

Wachen Sie auf
Atmen Sie nicht mehr so ruhig
Aber vor allem
vor allem löschen Sie das Licht aus
das umherwandert wenn Sie schlafen
vom Keller bis zum Dachboden

 

Diese Tafel entstand in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Sozialarbeit in Mittweida / Rosswein.

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