"Freia GmbH" in Freiberg

Die "Freia GmbH" von Arado - ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg in Freiberg
Bild: Buch "Wir waren zum Tode bestimmt"
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In den Neunzigern spürten junge Freiberger im CJD Chemnitz die nazionalsozialistische Vergangenheit ihrer Stadt auf. Sie entdeckten, was zu DDR-Zeiten oft verdrängt und vertuscht wurde: "Wehrbetriebe" als Außenkommando des Konzentrationslagers Flossenbürg, die tausende jüdische Zwangsarbeiterinnen beschäftigten.
2002 erschien ein Buch über die Forschungsergebnisse mit vielen beeindruckenden Lebensberichten von Frauen, die die Region als Zwangsarbeiterinnen kennenlernen mussten (ISBN-Nr.: 3-931801-27-6).

Unter dem Tarnnamen "Freia GmbH" entstand seit 1943 auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Freiberg an der Frauensteiner Straße ein Betriebsteil der Arado-Flugzeugwerke GmbH Potsdam-Babelsberg, die zu den führenden Luftrüstungsunternehmen Deutschlands gehörte. Um den Aufträgen der Kriegswirtschaft gerecht zu werden, fehlten allein diesem Rüstungsunternehmen etwa 6000 Arbeitskräfte, die seit 1943 durch die Zuführung von sogenannten "Fremdarbeitern" und durch Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern gestellt wurden. Die "Freia GmbH" bekam ein Außenkommando des KZ Flossenbürg, das aus rund 1000 weiblichen, jüdischen Häftlingen bestand, die zur "Vernichtung durch Arbeit" im KZ Auschwitz / Birkenau erfasst worden waren. Ein Teil der Häftlingsfrauen wurde in einem Außenkommando zur Rüstungsproduktion bei der Firma "Max Hildebrand GmbH" eingesetzt. Das Betriebsvermögen dieser Firma verfünffachte sich in diesen Kriegsjahren.

Bild: "Freia GmbH"
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Bild: Die "Freia GmbH" war an der Frauensteiner Straße in Freiberg (ehemalige "Porzelline"). Heute befindet sich in einem Gebäudeteil das Landratsamt.

Bild: Forderungsnachweis
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Transporte aus Auschwitz nach Freiberg:

  1. Transport am 31. August 1944 mit 249 polnischen Jüdinnen
  2. Transport am 22. September 1944 mit 251 polnischen Jüdinnen
  3. Transport am 12. Oktober 1944 mit 502 Jüdinnen aus der damaligen Tschechoslowakei, Deutschland und anderen europäischen Staaten

Die "Kosten" des Häftlingseinsatzes für die "Freia GmbH": 4,00 RM als Arbeitsvergütung (von denen die Häftlingsfrauen nichts erhielten), abgezogen wurden davon 0,70 RM "Häftlingsverpflegung/Tag".
Jede Rüstungsfirma, die KZ-Häftlinge einsetzte, wusste also von der unzureichenden Ernährung und nahm billigend das Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit" in Kauf.
Zunächst in den Fabrikhallen an der Frauensteiner Straße kaserniert, wurden die jüdischen Mädchen und Frauen im strengen Winter 1944/45 in ein unbeheiztes Barackenlager am Hammerberg (Schachtweg) gepfercht. Am 14. April 1945 wurde das Lager vor der heranrückenden Front "evakuiert". Nach 16-tägiger Irrfahrt in zum Teil offenen Güterwaggons kamen die Frauen in das KZ Mauthausen, wo sie von amerikanischen Truppen befreit wurden.

Bild: Gebäude am Davidschacht
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Auch dieses Gebäude am Davidschacht diente während des I. Weltkrieges als Außenstelle der Rüstungsproduktion. Im sogenannten "Wehrbetrieb" Max Hildebrand wurden ebenfalls zahlreiche Zwangsarbeiterinnen aus Auschwitz eingesetzt. Hier befand sich später das Freiberger Porzellanwerk, das heute stillgelegt ist.

Bild: Tschechische Überlebende der "Freia" treffen 2003 Jugendliche in Freiberg
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Bild: Tschechische Überlebende der "Freia" trafen 2003 Jugendliche in Freiberg.

Wichtig ist es, dass junge Leute die Geschichte kennen. Deshalb erzählen ihnen Betroffene so oft es geht von ihren Erfahrungen.

Bild: Gedenktafel am Landratsamt
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Lange war diese Kapitel Freiberger Geschichte vergessen. Dank der Forschungsarbeit erinnert nun diese Gedenktafel am heutigen Landratsamt daran.

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