Friedhof Meißen

Meißen besitzt heute keinen jüdischen Friedhof mehr. Bis zu dem Pogrom 1349, als die Juden als angebliche Pestverursacher öffentlich verbrannt worden sind, gehörte die Meißner Gemeinde zu den bedeutendsten im Osten des Deutschen Reiches. 1430 wurden die Juden von Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen endgültig aus Sachsen vertrieben. So mussten sie auch ihre Friedhöfe schutzlos zurücklassen. Sie verfielen, wurden überbaut oder wie in Meißen als Viehweide genutzt.

1994 entdeckten Bauleute bei der Renovierung eines alten Gebäudes in der Meißner Innenstadt einen merkwürdig beschrifteten Stein, der als Sturz über einen Lüftungsschacht im Keller verbaut worden war. Insgesamt 7 Fragmente solcher Steine fanden sich auch anderen Häusern. Sie stammen von jüdischen Grabsteinen. Die Höhe und die Art der Inschriften lassen die Vermutung zu, dass es sich um Steine einer mittelalterlichen Grabanlage handelt, die hier von Anwohnern einfach als Baustoffe genutzt wurden.

Der Markgraf von Meißen gewährte den "Judenschutz", der einerseits den Juden tatsächlich zeitweise einen gewissen Schutz bot, andererseits dem Markgrafen stattliche Einnahmen garantierte, da die Juden für diesen "Schutz" an ihn Geld zahlen mussten. Als Zeichen für diesen Schutz versah Meißen sein Stadtwappen mit einem Judenkopf. Dieses Zeichen ist noch heute an dem Wappen zu sehen, das über dem Eingang des Meißner Rathauses angebracht ist.

 

Meißen

In Meißen lag der Friedhof der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde auf dem Jüdenberg. Weitab der Siedlung - wie es vorgeschrieben war. Die Häuser der Juden selbst befanden sich zwischen Stadtmauer und Triebisch. Es war ein so genanntes Judendorf - eine Ansiedlungsform, die nicht häufig bei Städten zu finden war. Zugang zur Stadt hatten Juden nur durch das Jüdentor (auf diesem Plan von 1558 "Judäa" genannt), dass sie auch selbst finanzieren mussten. Auf dem heutigen Neumarkt stand einst eine Synagoge - vermutlich die erste in Sachsen.

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