Die Geschichte des Friedhofes

1862 gab es die Forderung der Stadt Dresden, den jüdischen Friedhof in der Dresdner Neustadt (heute; Bautzner Strasse) schnellstmöglich zu schließen. Das ehemals einsame Gelände war inzwischen dicht von Wohnhäusern umstanden, was eine Schließung des Friedhofes notwendig erscheinen ließ. Diese Nachricht erschreckte die jüdische Gemeinde und sie bemühten sich einerseits um Verlängerung der Frist für den Bestand des alten Friedhofes sowie zeitgleich um einen Platz zur Anlage einer neuen Begräbnisstätte. Die Suche zog sich hin. 1863 entschied man sich schließlich für das Gelände des Stadtwaldes des Blasewitzer Forstreviers neben dem bereits bestehenden Trinitatisfriedhof. Dem Antrag auf käufliche Überlassung wurde stattgegeben, so dass die jüdische Gemeinde 1864 das Grundstück für 1000 Taler erwerben und für die Anlage des Friedhofes vorbereiten konnte.
Um 1866 wurde die erste Friedhofshalle errichtet.

Bild: Friedhofsreihen
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Die Reihen des neuen Friedhofes füllten sich recht schnell. Trotz vorgenommener Erweiterungen erwies sich das neugekaufte Gelände schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts als zu klein für die wachsende Gemeinde. So gab es Bemühungen, ein weiteres Grundstück in der jungen Heide oder auf dem Hellerberg zuzukaufen. Durch Inflation und den Machtantritt der Nationalsozialisten zerschlug sich dieses Vorhaben. Während der gesamten NS-Zeit blieb der Friedhof für die Beerdigung der Dresdner Juden in Betrieb.
Gemeindemitglieder betreuten den Friedhof und bekamen sogar weitere jüdische Arbeitskräfte im Rahmen von Zwangsarbeitseinsätzen zugewiesen. In dieser Phase diente der Friedhof der Gemeinde auch als wichtiger Treffpunkt, um Informationen auszutauschen.

Bild: Gewächshaus auf dem Friedhof
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In der Mitte der 30er Jahre bereiteten sich viele Juden auf ihre Ausreise aus Deutschland vor. Dazu benötigten sie aber möglichst einen handwerklichen Beruf.
Zur Verbesserung ihrer Arbeitsmöglichkeiten im Ausland gab es deshalb eine große Aktion zur allgemeinen "Berufsumschichtung". Viele Vorträge und Ausbildungen wurden angeboten. In diesem Zusammenhang gab es auch einen Lehrgang auf dem Friedhof.
Durch die Errichtung eines Gewächshauses wurden bautechnische Kenntnisse vermittelt. Das Gewächshaus wurde nach Beschädigung durch den Bombenangriff abgerissen.

Bild: Vergleich des Friedhofgeländes
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Die Abbildung zeigt den Vergleich des Friedhofgeländes um 1870 (links) gegenüber 1947 (rechts).

Bild: zerstörter Friedhof
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Der Friedhof lag mitten in dem Gebiet, das durch Flächenbombardement im Februar 1945 völlig zerstört worden ist. So blieb auch er nicht verschont. Nicht nur die Feierhalle brannte völlig aus, sondern auch der Gräberbereich wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Grabstellen waren aufgerissen, viele Steine umgestürzt oder zerstört. Durch den Brand in der Feierhalle und der Zerstörung des Gemeindehauses am Hasenberg wurden alle Unterlagen über den Begräbnisplatz vernichtet. Bereits 1947 setzten erste Instandsetzungsarbeiten mit Unterstützung der Sächsischen Handwerkskammer ein.

Bild: Weg mit Grabsteinen
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Es ist nicht ganz klar, wann der Weg zur Feierhalle mit Grabsteinen ausgelegt worden war. Geschah es unter Druck der Nationalsozialisten, oder gab es nach 1945 einfach zu großen Baustoffmangel?
Nach 1990 wurde der Eingangsbereich saniert. Dabei wurden die Grabsteine durch Pflastersteine ersetzt. Die alten Steine werden in einem speziellen Bereich der Begräbnisstätte aufbewahrt, da sie nicht vom Friedhof entfernt werden.

Bild: Gruppe von Aktion Sühnezeichen im Einsatz
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Obwohl die DDR- Regierung jährlich Zuwendungen zur Erhaltung der jüdischen Friedhöfe zur Verfügung stellte, reichten diese nicht aus, die Anlage entsprechend zu pflegen. Ständiger Arbeitskräftemangel und Materialnot förderten, dass sich auf dem Gelände Unkraut breit machte. In den 80er Jahren gab es immer mehr Initiativen für die Pflege. Auf dem Bild ist eine Gruppe der "Aktion Sühnezeichen" im Einsatz zu sehen.

Bild: geschändeter Friedhof
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Die Zeit nach 1990 brachte einerseits dem Friedhof ein größeres öffentliches Bewusstsein - andererseits führte dieses aber auch zu einer Zunahme von Übergriffen. Mehrfach kam es in den 90er Jahren zur Schändung und Beschädigung des Friedhofes.

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