Grabsymbolik des Judentums

Auf den Grabsteinen jüdischer Friedhöfe findet sich eine Vielzahl von Symbolen. Insbesondere zeichnen sich die Begräbnisplätze des osteuropäischen Judentums durch eine reiche Bilderwelt aus. Im deutschsprachigen Raum sind die Darstellungen weniger variantenreich. Doch gibt es eine Reihe von Zeichen und Symbolen, die im gesamten Judentum verbreitet sind. Die jüdische Religion verbietet die Abbildung menschlicher Gestalten, weshalb Engelgestalten und ähnliches nicht zu finden sind. Als Ornamente werden auch häufig Pflanzenmotive, Tiere, mit dem Gemeindeamt oder als Beruf des Verstorbenen verbundene Gegenstände und auch allgemeine Symbolik des Todes wie sinkende Schiffe, verlöschende Fackeln, abgeknickte Blumen, abgebrochene Bäume oder Säulen verwandt. Viele dieser Zeichen finden sich auch auf christlichen Friedhöfen, wurden von dort im Rahmen der Emanzipation und der Assimilierung übernommen. Sie entstammen oft der antiken Vorstellungswelt und wurden durch den Klassizismus allgemein beliebt.
Rein jüdische Symbole und Ornamente nehmen Bezug auf Herkunft und Funktion der Verstorbenen. Zeichen, die sich eher auf Vergänglichkeit, Leid, Tod oder das Leben beziehen, finden auf Grabsteinen weniger Verwendung. Viele dieser Symbole sind universeller Art, das Leben, den Tod allgemein darstellend: Ehrenkränze, Sanduhren, nach unten, zum Verlöschen, gerichtete Fackeln, Efeuranken, Urnen, Schmetterlinge, gebrochene Säulen.

Bild: Grabsymbole
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Die abgeknickte Blume oder der Baumstumpf sind oft ein Zeichen dafür, dass die Verstorbenen sehr jung aus der Blüte ihres Lebens gerissen wurden. Es handelt sich hier um kein typisch jüdisches Symbol, wird aber gern verwendet.
Die Krone hat mehrere Bedeutungen. Es heißt: "Es sind drei Kronen - die Krone der Thora, die Krone des Priestertums und die Königskrone. Aber die Krone des guten Namens übertrifft alle anderen."
Der Palmenwedel definiert die Verbundenheit mit dem Heiligen Land, eventuell aber auch den Bibelvers Psalm 92.13: "Der Gerechte blüht wie eine Palme."

Bild: Grabsymbole
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Die segnenden Hände mit den gespreizten Fingern, bei denen Daumen und Zeigefinger sich berühren, ist das Zeichen auf den Priestergräbern (Cohanim) und wird nur bei Männern abgebildet. Die Priesterschaft wird seit der Zeit des Tempels vererbt. Mit der abgebildeten Handbewegung wird der Segen über die Gemeinde gespendet - eine Aufgabe, die nur den Priestern vorbehalten ist. Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe ist oft auch erkennbar am Namen wie Kohn, Kahn oder Katz.

Bild: sechszackiger Stern
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Den sechszackigen Stern gab es früher auch in anderen Kulturen. Im 19. Jahrhundert wurde er als Magen David (das Schild Davids) zum übergreifenden Symbol des Judentums.

Bild: Grabsymbole
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Das Buch zeichnet den Verstorbenen als Schriftgelehrten aus. Oft ist es bei Rabbinern oder Lehrern zutreffend, wird aber auch bei Kantoren angewandt.

Tiere werden häufig als Sinnbild des Vor- bzw. Familiennamens des Verstorbenen verwendet. Folgende Tiersymbole sind im Allgemeinen bekannt: Bär, Wolf, Hirsch oder Schlange. Diese finden sich jedoch nicht auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden.

Bild: Grabsymbole
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Zwei schnäbelnde Tauben gelten als Zeichen inniger Liebe. Außerdem ist die Taube das Namenszeichen für Jona.
Der Schmetterling gilt als Zeichen der Vergänglichkeit und des flüchtigen Lebens. Schmetterlinge werden aber auch als Engelsflügel gedeutet: die Seele steigt zu Gott auf. Damit sind sie ebenfalls ein Zeichen für die Unsterblichkeit, die Verwandlung zu einem neuen Leben. Auch dieses Symbol ist nicht typisch jüdisch, sondern wurde aus anderen Kulturen übernommen.
Der Löwe ist das Namenszeichen für Ari und Loeb (Leib). Er ist auch eine Anspielung auf Juda, den Jakob als Löwe gesehen hatte. Aber auch ein Symbol für Glaubensstärke.

Bild: Grabsymbole
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Der Krug bzw. die Kanne, oft mit einer Wasserschüssel abgebildet, symbolisiert die Gräber der Leviten, der Priesterdiener, die berechtigt waren, den Priestern beim Tempeldienst zu helfen und ihnen die Hände rituell zu waschen.
Auch dieses Amt wird vererbt. Die Nachkommen tragen nicht selten Familiennamen wie z.B. Levi, Lewinsohn, Lewin, Segal, Löwenthal oder Löwe.

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