Grete Salus

Komm wilde Freude, tanz mit mir
Grete Salus (1910 - 1996)

Bild: Grete SalusGrete Gronner, verh. Salus, stammte aus Böhmisch- Trübau (heute Ceska Trebova). Dort wurde sie am 20.Juni 1910 geboren. Grete Gronner absolvierte ihre Schulausbildung und studierte mehrere Jahre in der Tanzschule von Mary Wigman in Dresden. Diese Ausbildung prägte lebenslang ihr Verhältnis zum Tanz und vor allem zu dem von Mary Wigman vertretenen Ausdruckstanz.

Nach dem Ende der Gefangenschaft versuchte Grete Salus das Erlebte zu verarbeiten: Tag und Nacht schrieb sie sich 1945 die Erinnerungen von der Seele. Leidenschaftlich wie ihre Tänze waren auch die Gedichte von Grete Salus.

Vergangenheit

Schon wieder
Gehst Du neben mir.
Sprich nicht zu mir, Rühr mich nicht an.

Schon dass Du
Da bist, ach
So nah bei mir ist hart,
ist schwer- schon beugt es mich
Warst Du es?
Bin ich es?

Warum nur quälst du mich?

Was willst Du?
Woran mahnst Du
mich?

KOMM WILDE FREUDE, TANZ MIT MIR

Komm wilde Freude,
tanz mit mir
tanz den wilden Reigen, tanze
ach, tanze mit mir.

In Deine Arme will ich mich schmiegen
Mit Sehnsucht voll und funkelnder Lust.
In Deinen Armen will ich vergessen
das dunkle Wandern, den ewigen Durst.

Hei, wie wir wirbeln, wie
schnell wir uns drehn
jauchzend und jubelnd in rasendem Tanz.
Wo unsre Füße den Boden berührn
da sprühen Funken in zuckendem Glanz.

Der Tau auf den Blumen im stillen Sichergehn,
im sanften sich Genügen
kann uns heute nicht betrügen.
Die Wiesen und die Wälder mit heiterem Gesicht
entschwinden gar zu bald im letzten Abendlicht.

Das kalte Glühn der Gipfel,
des Meeres schäumend Lied
sind uns im tollen Reigen
wildleuchtende Gespieln.

Wir dürfen nicht verweilen
Zu lang an diesem Ort.
Drum- wilde Freude, tanze
In deinem Rosenbett
Tanz mit mir, ach tanze-
ehe es verdorrt.

bis 1928
nahm sie Unterricht an der Tanzschule von Mary Wigman in Dresden.
1928
im Alter von gerade einmal 18 Jahren übernahm sie die Leitung einer privaten Tanzschule in Teplitz-Schönau (heute Teplice). Außerdem war sie in dem jüdischen Turnverein Makabi tätig.

Mit dem Einmarsch der Nazis in Prag veränderten sich ihre Lebensumstände grundlegend. Viele Juden wollten sich durch Umschulungsmaßnahmen auf eine Ausreise nach Palästina vorbereiten, da dort nur Personen mit bestimmten Berufen aufgenommen wurden. Grete Salus unterstützte solche Kurse in den Bereichen Gymnastik und Tanz. Sie selbst wollte gemeinsam mit ihrem Mann nach Indien ausreisen. Diese Pläne aber scheiterten.

1942
Deportation des Ehepaars nach Theresienstadt. Unter den schweren Bedingungen des Lagerlebens unterwies sie vor allem junge Mithäftlinge in Gymnastik und Tanz, trug so zur Bewahrung eines kleinen Stücks Menschenwürde bei.
1944
Deportation nach Auschwitz, wo Fritz Salus sofort ermordet wurde. Grete Salus wurde zusammen mit 500 anderen Frauen zur Zwangsarbeit in die Rüstungsfabrik "Acricola" nach Oederan (Sachsen) verschleppt.
1945
im Rahmen von Evakuierungsmaßnahmen gelangte Grete Salus zurück nach Theresienstadt, wo sie kurze Zeit später von der Roten Armee befreit wurde.
1945
Rückkehr nach Prag. Hier lernte sie einen Leidensgefährten kennen - Francis Lanzer - von dem sie 1947 ihre Tochter Nomi bekam. Die Beziehung zu dem Mann hielt nicht.
1949
Übersiedlung nach Palästina zum einzigen Überlebenden ihrer Familie - dem Bruder Alfred Gronner. In Israel arbeitete sie 15 Jahre lang als Tanzpädagogin in dem Kinder- und Jugenddorf "Hadassim", das vor allem für Kinder wirkte, die im Holocaust ihre Familien verloren hatten. Außerdem entwickelte Grete Salus neue Tänze im Bereich Ausdruckstanz.
1957
Erstveröffentlichung ihres Lebensberichtes in Deutschland in der Wochenzeitschrift "Das Parlament"
1965
Umzug nach Nethanja , wo sie weiter als Tanzlehrerin arbeitete.

An ihre Kunst des Ausdruckstanzes ging sie mit hohem ästhetischem Anspruch und großer Perfektion heran. Freunde schrieben über sie: "Grete war nicht ‚noch eine Lehrerin'. Grete war DIE Lehrerin. Sie hatte in sich auch etwas vom Propheten und die Fähigkeit, in jemanden hineinzuschauen, als wäre er durchsichtig. Sie war ein Gegenbeweis zur üblichen Meinung, dass seit der Zerstörung des Tempels die Prophetie den Narren gegeben sei. Grete und Hingabe, Grete und interessiert sein, Grete und Verantwortung, die ans Heilige grenzte - waren eins."

1996
Grete Salus verstarb am 2.Februar im Alter von 85 Jahren in Nethanya (Israel).

Bild: Fritz SalusDer Prager Arzt Fritz Salus wurde 1944 in Auschwitz ermordet

Bild: Grete Salus und Francis Lanzer mit ihrer Tochter NomiGrete Salus und Francis Lanzer mit ihrer gemeinsamen Tochter Nomi in Prag.

Bild: Titel1981 erschien ihre Lebenserinnerung ein zweites Mal unter dem Titel "Niemand, nichts - ein Jude"

Bild: Alfred (Shlomo) Gronner mit FamilieAlfred (Shlomo) Gronner mit seiner Familie im Kibbuz

Bild: Grete Salus mit ihren SchülernGrete Salus im Kreis ihrer Schüler in "Hadassim"

Bild: AusdruckstänzeIn Israel entwickelte Grete Salus zahlreiche neue Ausdruckstänze.

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