Projekt "Shalom" im CJD Chemnitz,
Außenstelle Freiberg

Dokumentation zur Geschichte, Tradition und Kultur der Juden in der sächsisch - böhmischen Grenzregion
Eine Übersicht

Bild: "Jüdisches Leben in der Bergstadt Freiberg - eine Spurensuche"1991 begann ein Unterrichtsprojekt mit Abiturienten am Freiberg-Kolleg, in dem erstmalig nach Spuren jüdischen Lebens in Freiberg gesucht wurden. 12 junge Leute trugen unter Leitung von Dr. Michael Düsing alles erreichbare Material zusammen und gingen mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit. Dazu gehörte auch eine Ausstellung "Jüdisches Leben in der Bergstadt Freiberg - eine Spurensuche", die in Freiberg, Dresden, Darmstadt und Oldenburg gezeigt werden konnte - inzwischen auch in einer aktuellen Fassung, im November 2005, in Freibergs israelischer Partnerstadt, in Ness Ziona unweit von Tel Aviv. Eine Broschüre mit dem gleichen Titel erschien 1992. Seit 1992 wird diese Arbeit durch das CJD Chemnitz fortgesetzt. Dabei entstand erstmals eine detaillierte Dokumentation über alle jüdischen Studenten und Wissenschaftler der ältesten montanwissenschaftlichen Hochschule der Welt, der Bergakademie Freiberg.

Auf Initiative der Stadt Freiberg werden alle zwei Jahre die "Shalom - Tage" ausgerichtet. Diese unterstützt das CJD aktiv durch eigene Ausstellungen, Einladungen und Betreuungen von Ehrengästen aus Israel (u.a. aus der israelischen Partnerstadt Freibergs, Ness Ziona) und Überlebenden des KZ-Außenlagers in der Freiberger Region, die erstmals 1995 und 1996 durch das CJD eingeladen worden waren.

Bild: Besuch von 33 Überlebenden der ZwangsarbeitHöhepunkt war der Besuch von 33 Überlebenden der Zwangsarbeit in Freiberg und Oederan im September 2000. Das CJD hatte sie eingeladen. Viele waren zum ersten Mal nach fast 60 Jahren wieder an die Orte ihres Leidens zurückgekehrt. Die Jugendlichen des "Shalom-Projektes" betreuten und begleiteten die Gäste aus Israel, Polen und Deutschland.

Bild: "Glück Auf, mein Freiberg!"Die Forschungsergebnisse des CJD über das Freiberger Außenlager des KZ Flossenbürg veranlassten den Landrat des Kreises Freiberg, am 8. Mai 1995 eine Ehrentafel zur Erinnerung an die Leiden jüdischer Frauen am Gebäude des Landratsamtes anzubringen. Auf diesem Gelände existierte von 1944 bis 1945 ein Zwangsarbeitslager (die sogenannte "Freia GmbH"). Eine weitere Tafel erinnert außerdem an Dr. Werner Hofmann, den langjährigen Direktor des Freiberger Porzellanwerks. Ihn hatten die Nationalsozialisten 1939 wegen seiner jüdischen Herkunft in den Tod getrieben. 1995 veröffentlichte das CJD die Ergebnisse der Forschung in "Glück Auf, mein Freiberg! - Erinnerungen und Lebensschicksale jüdischer Bürger in den sächsischen Bergstädten Freiberg und Oederan".

Bild: "Wir waren zum Tode bestimmt"Im April 2002 erschien das Buch "Wir waren zum Tode bestimmt" über das Schicksal der jüdischen Zwangsarbeiterinnen von Freiberg und Oederan im Leipziger Forum Verlag (ISBN-Nr.: 3-931801-27-6). Im gleichen Jahr erarbeiteten Jugendliche im CJD einen virtuellen Stadtführer zur jüdischen Geschichte Freibergs auf CD-ROM, der auf diesen web-Seiten ausführlich vorgestellt wird.

Bild: Chaim Don: Die Blutprobe, ISBN-Nr.: 3-89811-829-01999 bis 2001 erforschten 15 junge Leute in einem grenzüberschreitenden Projekt des CJD "Shalom Sachsen - Böhmen" weitere Spuren jüdischer Geschichte in der sächsischen Grenzregion. Dabei entstand eine erste, anschauliche Dokumentation aller jüdischen Friedhöfe in Sachsen und Nordböhmen.
Die Jugendlichen eigneten sich spezielle Kenntnisse zum Judentum und dessen Geschichte an. Außerdem erhielten sie eine umfangreiche computertechnische Qualifizierung. Dadurch fand die Mehrheit der Teilnehmer im Anschluß an das Projekt einen Arbeits- oder weiterführenden Ausbildungsplatz.
Im Jahr 2000 veröffentlichte das CJD die Lebenserinnerungen von Chaim Don. Als polnischer Jude hatte er den Naziterror unter falscher Identität in der Nähe von Freiberg überlebt.
(Chaim Don. Die Blutprobe, ISBN-Nr.: 3-89811-829-0)

Bild: Projekt "Shalom"Im Dezember 2001 startete das dreijährige Projekt "Shalom", gefördert durch das Programm XENOS und durch die Bundesagentur für Arbeit. Zehn junge Erwachsene erfassten und dokumentierten den Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden unter der Anleitung von Heike Liebsch. Dazu gehörte neben der Aufnahme vor Ort die datengestützte Einarbeitung aller Informationen. Die Grabsteine wurden textlich als auch bildlich dokumentiert. Außerdem wurden Biographien hier beerdigter Personen zusammengetragen und in mehreren Ausstellungen präsentiert.

Es entstanden folgende Endprodukte

  1. ein alphabetisches und ein numerisches Belegungsregister der mehr als 2.500 Grabstellen als Excel-Datei und als Ausdruck
  2. eine gedruckte Dokumentation jedes einzelnen Grabsteines (ca. 3.500 Seiten), darin enthalten sind Fotos des Grabsteines, statistische Daten zu Person, Verwandtengräbern, Grab, Grabstein, die Inschrift hebräisch und übersetzt, eventuell erforderliche Zusatzinformationen zur Person
  3. ein Vermessungsplan mit jeder einzelnen Grabstelle, allen Gebäuden und Denkmalen
  4. ein komplettes Register der Pflanzenschichten und Bäume auf dem Friedhof, die ebenfalls im Vermessungsplan eingetragen wurden.
  5. ein umfangreiches Archiv aus Materialien, die über den Friedhof zusammengetragen wurden
  6. drei Ausstellungen zu den Themenkomplexen
    • Alter Jüdischer Friedhof
    • Neuer Israelitischer Friedhof
    • Juden in Freiberg
  7. eine Ausstellung in englisch für die Partnerstadt Ness Ziona
  8. zwei Flyer über den Neuen Israelitischen Friedhof (zum Beginn und am Ende des Projektes)

Geplant ist wiederum die Herausgabe eines Buches.

Die Dokumentation sowie die Register wurden an die Jüdische Gemeinde Dresden übergeben und sind darüber hinaus im Stadtarchiv Dresden und dem Archiv der Bildungs- und Begegnungsstätte HATiKVA e.V. für die Öffentlichkeit nutzbar.

 

Das XENOS-Projekt zur Erfassung des Neuen Israelitischen Friedhofes in Dresden 2001-2004

Das Projekt war vor allem durch die inhaltlichen Ausmaße eine große Herausforderung. Der Friedhof gehört zu den größten jüdischen Friedhöfen Sachsen. Insgesamt befinden sich hier mehr als 2.500 Einzelgrabstellen. Alle Grabstellen wurden einzeln dokumentiert, die Steinart bestimmt und jeder Stein fotografiert - teilweise mit Rückseite oder Detailaufnahmen. Letzteres bedeutet, dass mehr als 4.000 Einzelaufnahmen entstanden und am Computer bearbeitet wurden. Zahlreiche Biographien wurden erforscht. Die Jugendlichen, die im Alter von 21-27 Jahren in dem Projekt starteten, hatten keinerlei Vorkenntnisse im Bereich jüdischer Geschichte, ja die Beschäftigung mit Geschichte überhaupt war ihnen eher fremd. Entsprechend skeptisch waren sie, ob sie ein solch umfangreiches Projekt überhaupt schaffen würden. Hinzu kamen Vorbehalte gegenüber dem Thema. Verbreitet war die Meinung, daß es doch mal Zeit wäre, mit diesem Thema NS-Geschichte aufzuhören, weil sie damit nichts mehr zu schaffen hätten. Dass sie sich mit jüdischer Geschichte beschäftigen verschwiegen einzelne Teilnehmer vor allem in ihrem Bekanntenkreis, weil sie Ablehnung und Bedrohung befürchteten. Zum problematischen Thema kam für die Teilnehmer die hohe technische und organisatorische Anforderung, die das Projekt mit sich brachte. Zwei der Teilnehmer hatte zuvor noch nie einen Computer bedient. Darauf aber basierte die Arbeit grundlegend. Entsprechend gliederte sich der Projektzeitraum in drei Hauptetappen:

1. Jahr - die Lernphase

Im Rahmen einer umfangreichen Ausbildung wurden neben verschiedenen Modulen im Bereich Bürokommunikation u.a. auch folgende Lernfelder unterrichtet, um die Jugendlichen auf die verschiedenen Aufgabenbereiche vorzubereiten:

Außerdem wurde mit der Arbeit vor Ort begonnen. Wichtig war es hierbei, die Talente und Fähigkeiten der einzelnen Teilnehmer kennenzulernen. Es entstand eine erste Ausstellung sowie ein eigenes Faltblatt.

2. Jahr - Realisierungsphase I

Entsprechend der Neigungen der einzelnen Teilnehmer wurden Arbeitsgruppen gebildet:

3. Jahr - Realisierungsphase II

Die drei vorgenannten Arbeitsgruppen hatten sich durch ihre Spezialisierung gut in ihre Aufgaben eingearbeitet. Im 3. Jahr wurde die umfangreiche Arbeit weiter fortgesetzt. Obwohl die Teilnehmer bis zum letzten Tag intensiv an dem Projekt arbeiteten, blieben einige Restaufgaben offen. Hierfür meldeten sich zwei Teilnehmerinnen freiwillig, die auch nach dem eigentlichen Projektende bereit waren, die Aufgaben fertigzustellen, so dass das Gesamtprodukt ohne Lücken realisiert werden konnte. Außerdem wurden die Teilnehmer in der Projektendphase mit verschiedenen Praktika und Trainingsmaßnahmen auf den 1. Arbeitsmarkt vorbereitet. 2 Teilnehmerinnen fanden eine Anstellung im 1. Arbeitsmarkt, 1 Teilnehmerin war schon während des Projektes in eine Ausbildung als Röntgenassistenin gewechselt, 3 Teilnehmerinnen fanden zeitweise Anstellungen im Bereich niedrigbezahlter Zusatzverdienstmöglichkeiten. Insgesamt ist die Lage trotz ihres hohen Qualifizierungsgrades leider sehr schwierig, da in der Region auf dem 1. Arbeitsmarkt nur wenige offene Stellen existieren.

Seit 2005 existiert eine Geschichtswerkstatt des CJD in Freiberg, anschubfinanziert durch das Bundesprogramm CIVITAS. Sie versteht sich als Ausgangs- und Anlaufpunkt für geschichtlich interessierte Schüler und Jugendliche, für Lehrer und Sozialarbeiter, aber auch für Ortschronisten und ehrenamtlich Aktive. Die aus der Shalom-Projektarbeit hervorgegangenen Ausstellungen zur jüdischen Regionalgeschichte stehen hier zur Präsentation in Schulen oder Vereinen zur Verfügung. Eine gut sortierte regionalgeschichtliche Bibliothek und ein umfangreiches Archiv stehen interessierten Nutzern offen. Zeitzeugenbegegnungen und eine Vielzahl von Workshops ergänzen die Projektarbeit.

 

Dokumentation zur Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken

Das Freiberger Kaufhaus Schocken - eine SpurensucheIm April 2007 erschien als neuestes Ergebnis der Projektarbeit eine Dokumentation zur Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken:

Michael Düsing:
Das Freiberger Kaufhaus Schocken - eine Spurensuche, Freiberg 2007, 52 Seiten DIN A 5 mit zahlreichen Abbildungen
Herausgeber:
Universitätsstadt Freiberg
Die Oberbürgermeisterin
Gesamtherstellung:
Medienzentrum der TU Bergakademie Freiberg

Aus dem Klappentext: "Die Erinnerung an das Freiberger Kaufhaus Schocken, seine Gründer und Akteure, ist überfällig. Sie ist mehr als eine Erinnerung an einen geschichtlich gewordenen Handelsplatz. Sie ist die überfällige Begegnung mit einer in der Geschichte Sachsens und Deutschlands beispielgebenden unternehmerischen Leistung. Sie ist die überfällige Würdigung eines herausragenden sozialen, wirtschaftlichen und kulturpolitischen Beitrags, den die Gebrüder Simon und Salman Schocken, ebenso wie viele Mitarbeitende des Unternehmens für deutsch-sächsisches Wirtschafts-, Kunst- und Sozialleben und auch für die Entwicklung Freibergs eingebracht haben.

Nach der Zerstörung des Lebenswerkes der Gebrüder Schocken auch in unserer Stadt durch die zynische und unmenschliche Unkultur der Nazis und nach dem Schweigen der DDR ist es an der Zeit, die Kultur des Umgangs unserer Stadt mit jenen Traditionen, für die das Kaufhaus Schocken stand, sichtbar und vernehmlich zu dokumentieren."

Die Broschüre ist auf Anfrage beim CJD Chemnitz, Außenstelle Freiberg (siehe Kontakt) erhältlich.

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