Neuer Israelitischer Friedhof

Der Neue Israelitische Friedhof auf der Fiedlerstraße / Ecke Fetscherstraße in Dresden - Johannstadt ist mit einer Fläche von ca. 30.000 m2 der größte Sachsens. Er gliedert sich in vier Abteilungen, je nach Entstehungszeit unterteilt in Alt und Neu. Verbunden sind alle Bereiche durch einen mit Kastanien gesäumten breiten Mittelweg. Insgesamt befinden sich auf dem Friedhof, der auch weiterhin belegt wird, derzeit über 2.560 Grabstellen.
Hier gab es durch den Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 schwere Beschädigungen, was man trotz umfangreicher Rekonstruktion teilweise noch heute an geborstenen oder fehlenden Steinen erkennen kann.

Bild: Lageplan vom Friedhof

Legende:

A
Trauerhalle
B
Gedenkstein für die Gefallenen des I. Weltkrieges
namentlich erwähnt sind hier die Freiberger Kurt Luft, Selmar Taubenschlag und Erhardt Taubenschlag
C
Urnengrab zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus
D
Thoragrab
E
Ehrengrab für die Opfer des Nationalsozialismus

Grabstätten der Dresdner Persönlichkeiten (Grab-Nr.)

1
ATL 16/01Emil Lehmann
2
NTL 25/22Rudolf Axen
3
NTL W/35Helmut Aris
4
NTR W/55Dr. Jakob Winter
5
ATR W/18.2Dr. Wolf Landau
6
NTR W/15Dr. Leopold Stein
7
ATR 19/10Bruno Gimpel
8
ATR 19/27.2Siegfried Lewinsky
9
NTR 07/01Anna Joachimsthal-Schwabe
10
NTL 33/25Helmut Eschwege
11
NTL 01/05Julius Wahle
12
ATR 19/11Dr. Med. Heinz Conradi
13
NTL W/15Georg Arnhold
14
ATL W/33Oskar Lessner
15
ATR W/40.4Joseph Bondi
16
NTL W/24Fam. Krell
17
ATR 19/17Fam. Bein
18
NTL 32/21Fam. Anusiewicz

Bild: Alter Teil rechts
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Mit der Belegung des Friedhofes wurde auf dem Alten Teil rechts begonnen. In der letzten Reihe fand der am 4. Januar 1868 verstorbene Salomon Gabriel Wallerstein seine letzte Ruhestätte. Sein imposanter Mamorgrabstein ist also der älteste auf diesem Friedhof. Insgesamt gibt es hier 526 Grabstellen. Hervorzuheben ist eine große Urnengrabstelle für 20 Personen, die während der Nazizeit in Dresden umgekommen sind. Der ehemalige Zwischengang (jetzt Reihe 19) wurde in dieser Zeit für eine ganze Grabreihe zur Urnenbeisetzung umgestaltet. Die erste Beisetzung in dieser Reihe war im August 1942 die des Ehepaars Lang. Außerdem entstand 1975 ein Grab für Thorarollen, die durch Nazis geschändet und damit unbrauchbar geworden waren.

Bild: Alter Teil links
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Auf dem Alten Teil links befinden sich 533 Gräber. Das älteste hier angelegte Grab stammt von 1876. Viele freie Plätze wurden aber auch noch später genutzt. Deshalb ist die jüngste Grabstelle aus dem Jahr 1980. Inzwischen ist dieser Teil abgeschlossen. Durch die lange Belegungsperiode finden sich viele monumentale Denkmale und unterschiedliche Materialien, die für die Grabsteine verwendet wurden. Beeindruckend ist ein Wandgrab mit zwei Löwenfiguren aus weißem Kalkstein. Wir fanden aber auch ein Grab, dessen Inschrifttafeln an einem Block angebracht sind, der aus einer Art Pressspanplatten gefertigt wurde.

Bild: Neue Teil links
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Der Neue Teil links ist mit seinen über 920 Grabstellen die größte Abteilung des Friedhofes. Im hinteren Gebiet werden die Reihen noch heute belegt. Hier kann man deutlich die Veränderungen in der Gemeindestruktur seit 1990 sehen, denn in den letzten Jahren wurden vorrangig jüdische Einwanderer aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion begraben. Schon im 19. Jahrhundert war der als Neuer Teil bezeichnete Friedhofsbereich für Beerdigungen genutzt worden. Das älteste Grab dieser Abteilung stammt aus dem Jahr 1890. Es gibt einige Reihen, die fast ausschließlich der Beerdigung von Kindern vorbehalten waren. Hier fehlen durch Bombenschäden aber zahlreiche Grabsteine.

Bild: Neuer Teil rechts
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Auf dem Neuen Teil rechts gibt es 578 Grabstellen. Das älteste Grab datiert aus dem Jahr 1895.
Anfang des 20. Jahrhundert wanderten viele Juden aus Osteuropa nach Deutschland ein - eigentlich, um nach Amerika zu gelangen. Doch manche blieben hier.
Diese Entwicklung kann man auch an den Grabsteinen erkennen: viele Steine sind fremdsprachig - russisch, ukrainisch oder ungarisch, manchmal auch englisch - beschriftet.

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