Jeremias David Alexander Fiorino

Ein gutes Beispiel für die jüdische Jugend
Jeremias David Alexander Fiorino (1797 - 1847)
Bild: Unterschrift

Bild: Jeremias David Alexander FiorinoNach einer Zeichnung von Siegwald Dahl, Dresden, 1846

Am 3. Mai 1797 wurde Jeremias David Alexander Fiorino in Kassel geboren. Er entstammte einer alten jüdischen Kaufmannsfamilie. Fiorino erlernte das Handwerk eines Porzellanmalers. Hier erwies er sich als so begabt, dass der hessische Kurfürst auf ihn aufmerksam wurde, und ihn förderte. Sowohl Berufswahl als auch seine Förderung wären in Sachsen zu dieser Zeit undenkbar gewesen. Dass er diesen Werdegang nehmen konnte, verdankte er dem damaligen hessischen Herrscher: Jérôme, König von Westphalen, war der jüngere Bruder von Napoleon und hatte bereits 1808 ein Dekret erlassen, das den Juden die gleichen Rechte wie allen anderen Untertanen einräumte. Dazu gehörte auch die Gewerbefreiheit. Deshalb konnten zwei Brüder Fiorinos zu dieser Zeit Feinmechaniker werden.

1815
Studium an der Kasseler Akademie. Für eine Sepiazeichnung erhielt Fiorino, gerade erst 18jährig, die große Preismedaille der Kasseler Akademie.
1818
Fortsetzung seiner künstlerischen Studien an der Kunst-Akademie Dresden
1821
Ein Stipendium des hessischen Kurfürsten ermöglichte ihm einen Studienaufenthalt in Rom, das "damalige Paradies aller Künstler". Aufgrund seiner besonderen Fertigkeiten spezialisierte sich Fiorino als Miniaturenmaler und wurde bald einer der berühmtesten und besten Künstler Europas in diesem Fach. Nach Dresden zurückgekehrt, malte Fiorino auch für die Wettiner wertvolle Porträt-Miniaturen auf Porzellan und Elfenbein.
1830
Rückkehr nach Kassel. Dort sollte ihm eine eigene Professur für Miniaturenmalerei eingerichtet werden. Nach dem Machtwechsel 1831 in Hessen zerschlug sich diese Möglichkeit. Fiorino nahm seinen Wohnsitz in Dresden, das ihn künstlerisch befruchtete. Hier erhielt er viele Aufträge, vor allem auch aus dem sächsischen Herrscherhaus, was ihm gesicherte Lebensumstände ermöglichte.
1830
Fiorino bat den sächsischen König mehrfach um die Erlaubnis für die Heirat mit der Dresdnerin Johanna Elb, Tochter des Kaufmanns Nathan Levy Elb, die er bei seinem ersten Dresdenaufenthalt bereits kennen- und liebengelernt hatte. Sowohl Behörden als auch der König verweigerten die Erlaubnis - trotz Fürsprache der hessischen Behörden und der Dresdner Jüdischen Gemeinde. Für die Jüdische Gemeinde galt Fiorino als Vorbild für die Jugend, da er sich seinen Lebensunterhalt weder als Händler noch Hausierer verdienen musste.
1831
Fiorino und die 15 Jahre jüngere Johanna Elb heirateten schließlich im böhmischen Teplice, wo keine behördliche Erlaubnis erforderlich war. Vier Monate später starb die junge Frau an Masern. Die kurze Ehe blieb deshalb kinderlos. Im Juni 1832 erhielt Fiorino plötzlich die Genehmigung zur Eheschließung. Nachdem den Behörden mitgeteilt wurde, dass die Ehe längst vollzogen und die Frau inzwischen verstorben war, verlangten sie die Bezahlung der Bearbeitungskosten, was Fiorino schließlich widerstrebend 1833 tat. Er plante danach die Rückkehr nach Kassel - doch die Pläne zerschlugen sich,obwohl er mehrfach in seiner alten Heimatstadt war.
1839
Fiorino gehörte zu 11 Juden, die im Dresdner Kunstverein vertreten waren.
1847
am 22. Juni starb der erst 50jährige Fiorino in Dresden und wurde in der Nähe des Grabes seiner Frau auf dem Alten Jüdischen Friedhof beigesetzt. Werke Fiorinos sind heute sowohl in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresdens (Alte Meister) als auch in Kassel zu sehen. Sie sind ein Beispiel der großen Kunstfertigkeit dieses Malers.

Bild: Johanna FiorinoDieses Bild von Johanna Fiorino zeichnete 1830 Fiorinos Künstlerfreund Christian Gottfried Naumann, versehen mit einer Widmung: "Mit treuem Fleiß, der Kunst ergeben, hab ich versucht hier nach dem Leben, Dein treues Weib zu conterfeyn. Wenn nun die Freunde Sie erkennen und Ihren Namen eilig nennen, So ist's ein Denkmal still und rein, Und mehr soll dieses Bild nicht seyn. Seinem lieben Freunde und Kunstgenossen Jermiah Fiorino widmet dies zum 12. Dez. 1830 G. N."

Bild: Grabstein Hannchen FiorinoHannchen Fiorino erhielt einen imposanten Grabstein auf dem Alten Jüdischen Friedhof. In der umfangreichen Inschrift ist das Hochzeitsdatum vermerkt - was einmalig in Dresden ist. Die tragische Liebesgeschichte von Hannchen und Fiorino hat dadurch ein kleines Denkmal bekommen.

Bild: Grabstein FiorinosBescheiden und unauffällig ist der kleine Grabstein Fiorinos, der unmittelbar vor dem seiner Frau steht.

Bild: PorträtZu den besten Arbeiten Fiorinos gehört dieses Porträt seines Vaters David Alexander Jeremias Fiorino in der Synagoge.

Bild: MedaillonDieses Medaillon auf Elfenbein zeigt des sächsischen König Anton in roter Uniform. Es wird in der Galerie der Alten Meister in Dresden gezeigt.

Bild: PorträtDas Porträt des Bruders Abraham David Alexander Fiorino aus dem Jahr 1830 ist heute im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen in Kassel.

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