Familie Karl Lewin

Bild: Karl Lewin und Charlotte Lewin
grosses Bild

Karl Lewin (geb 1.Mai 1881) und Charlotte Lewin , geb Hirsch, heirateten im Oktober 1911. Sie lebten seit 1914 in Freiberg.
Sein Vater Hermann Lewin ist in Ritschwalde/Posen geboren. Er hatte ein Leder- und Schuhmacherbedarfsgeschäft. Er starb am 17. März 1900 nach einer Operation in Berlin. Seine Mutter Johanna hatte ein Mehlgeschäft. Sie starb im November 1910.
Karl begann mit 13 Jahren eine Lehre bei B.L.Blaustein in Stolpen, anschliessend arbeitete er in Boppard am Rhein bei der Firma Kohnheim, bei Max Bernstein in Oels in Schlesien und einigen anderen Firmen. Seine Großmutter mütterlicherseits war eine Schwester der Gebrüder Simon, Salman und Hermann Schocken. So kam Karl Lewin 1910 zum Schocken-Konzern und wurde in Geestemünde als Geschäftsführer eingestellt.
Im März 1914 übernahm Karl Lewin die Geschäftsführung des neu eröffneten Schocken-Kaufhauses in der Petersstraße 1-3 in Freiberg; die Familie zog nach Freiberg. Im August des Jahres brach der I. Weltkrieg aus und Karl Lewin diente in der Kavallerie. Im Dezember 1918, zum Kriegsende, kehrte er nach Freiberg zurück und führte bis 1930 das Kaufhaus weiter.

Bild: Villa der Familie
grosses Bild

In Freiberg kaufte sich die Familie eine Villa in der Herzog- Heinrich- Straße (heute Heinrich- Heine- Straße). Diese wurde bald zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Vorträge über Reisen, Musikabende und Gespräche über kulturelle und auch philosophische Themen zogen viele jüdische und nichtjüdische Freiberger an.

Bild: 25-jähriges Geschäftjubiläum
grosses Bild

1930 gingen die Lewins nach Chemnitz, wo der Vater das neue Schocken- Kaufhaus übernahm, das von dem bedeutenden Architekten Erich Mendelsohn errichtet worden war.
Am 1. Juli 1935 feierte Lewin sein 25-jähriges Geschäftjubiläum bei der Firma Schocken. Einen Monat später jedoch trat er aus dem Geschäft aus. Im September 1935 zog die Familie Lewin nach Berlin. 1936 floh sie nach England und 1937 weiter nach Meran (Südtirol). Am 1. September 1938 emigrierte Familie Lewin nach Haifa (im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina).

Karl Lewin starb dort 1946 nach langem Nierenleiden.

Bild: Hermann, Eva und Hanna Lewin
grosses Bild

Karl und Charlotte Lewin hatten drei Kinder (auf dem Foto vlnr.: Hermann, Eva und Hanna).
Hermann (geb. im Juli 1912 in Geestemünde) besuchte die Volksschule in Freiberg und später das Realgymnasium bis zur Reifeprüfung. Bereits 1933 floh er aus Deutschland.
Hanna (geb. im April 1915) heiratete im Früjahr 1935 einen Engländer und zog mit ihm nach England. Im Februar 1936 gebar sie ihre beiden Söhne.

Bild: Eva Grünberg
grosses Bild

Eva Grünberg, geb. Lewin (geboren im Juli 1920 in Freiberg) ging in Chemnitz zur Schule und hatte dort unter Judenverfolgungen zu leiden. Ihr Vater sandte sie daraufhin nach England zu ihrer Schwester.
Leider wurde sie dort sehr krank und musste zurück zu ihren Eltern nach Deutschland, wo sie am Blinddarm operiert wurde. Später besuchte sie eine Berufsschule in Berlin, die sie auf Grund antisemitistischer Anschläge bald wieder verließ. Ihre Eltern versteckten sie bei den Großeltern, die auch in Berlin wohnten.
Kurz darauf kam sie in eine jüdische Schule für Frauen bei München, wo sie Haushaltsführung, Tierpflege und Gartenbau lernte. Sie bereitete sich damit auf die Auswanderung nach Palästina vor.
1937 traf Eva ihre Eltern in Italien. Mit einem völlig mit Flüchtlingen überladenen Schiff verließ sie 1938 Europa in Richtung Palästina. Dort schlug sie sich zunächst als Krankenschwester durch.
Kurz nach ihrer Ankunft lernte sie Meir Grünberg, einen Taxifahrer, kennen. Meir Grünberg war aus Rumänien nach Palästina gekommen. Die beiden heirateten. Sie bekamen zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Eva Grünberg lebt heute, verwitwet, auf dem Karmel in Haifa/Israel.

Bild: "Eva und Meir Grünberg 1998 in Freiberg zu Besuch"
grosses Bild

"Eva und Meir Grünberg 1998 in Freiberg zu Besuch"

nach oben