Familie Isidor Luft

Bild: Gedenkstein
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Bild: Kurt Luft (3. Name von oben)
Gedenkstein (Ostseite) auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden für die Gefallenen der jüdischen Gemeinde im I. Weltkrieg.

Isidor(geb. 23. Februar 1862 - gest. 29. August 1915) und Rosa Luft(geb. 10. Mai 1875 - gest. 1951 in Israel) kamen 1886 von Schlesien nach Freiberg und führten in der Bahnhofstraße 10, Ecke Wernerplatz, ein Textil- und Weißwarengeschäft. Nach dem Tod des Vaters, Isidor Luft übernahm der Sohn Paul1915 das Geschäft. Der Zweite Sohn Kurt(geb. am 12. Dezember 1895) fiel am 20. Juli 1916 im I. Weltkrieg als Unteroffizier.
Mit dem Machtantritt der Nazis wurden die Lufts Schritt für Schritt in den Ruin getrieben. 1935 mussten sie ihr Geschäft aufgeben.
Ein Schreiben der NSDAP - Ortsleitung vom 17. Januar 1935: "Die Tatsache, dass Freiberger jüdische Geschäfte in letzter Zeit eine größere Reklame als bisher entwickeln, so das jüdische Warenhäuser Schocken durch auswärtige Inserate, ferner die Judenfirma Isidor Luft durch Flugblätter für Ihren Totalausverkauf, veranlassen mich, alle Parteimitglieder auf den bekannten Erlass des Stellvertreters des Führers, Pg. Rudolf Hess, hinzuweisen. Danach verstößt jeder gegen die Parteidisziplin, der in einem jüdischen Geschäft kauft oder durch seine Ehefrau oder andere Beauftragte kaufen lässt. Dieser Verstoß gegen die Parteidisziplin zieht den Ausschluss aus der Partei nach sich. Ich werde in jedem Falle, der mir gemeldet wird, unweigerlich durchgreifen. Parteigenossen! Parteigenossinnen! Ich verpflichte jeden Einzelnen von Euch dazu, überall, bei allen Volksgenossen aufklärend zu wirken. Die Judenfrage wäre zum größten Teil schon jetzt gelöst, wenn jeder Deutsche Disziplin halten und wenn in keinem Falle beim Juden gekauft würde. Kauft in Deutschen Geschäften! Heil Hitler!"

Bild: Paul Luft
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Sohn Paul Luft (geb. 16 Juli 1894 - gest. 1948 in Israel) heiratete in Freiberg Erna geb. Weißmann, die 1902 in der Nähe Bambergs geboren wurde. Paul betrieb in Palästina eine Schuhmacherei. Er starb 1948 in Bat Yam (Palästina). Sein Sohn Johannes (hebräisch Jehoshua Lapid genannt) war Bibliothekar an der Universität in Tel Aviv, hat drei Kinder und eine große Anzahl Enkel.

Bild: Familie Luft
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Bild: 1937 in Freiberg, unmittelbar vor ihrer erzwungenen Ausreise Erinnerungsfoto der Familie Luft für Freunde.
vlnr.: Johannes, Rosa, Erna und Paul Luft

Anfang des Jahres 1937 wanderte Familie Luft (Rosa, Paul und Erna mit Sohn Johannes) nach Palästina aus. Sie lebten in Bat Yam und wohnten neben ihren Freunden, den Familien Rosenthal und Wangenheim.

Erna Luft litt am Tod ihres Mannes wie an den Qualen der Vertreibung. Viele Jahre später heiratete sie ein zweites Mal und zog zu ihrem zweiten Ehemann Mr. Seligman in die USA.
Frau Seligman verstarb im Juli 1995 im Alter von 93 Jahren. Freiberg hat ihr Leben geprägt und ihr zugleich die tiefsten Wunden zugefügt. Dennoch war sie ohne Zorn und ohne Bitterkeit.
Noch kurz vor ihrem Tod schrieb sie:
"Über unsere Erfahrungen bei der Auswanderung kann ich Ihnen nichts mitteilen. Mein altes Herz hat das alles zur Ruhe gelegt, und ich habe nicht die Kraft, es wieder neu zu erleben. Es sind 57 Jahre her, dass wir Freiberg verlassen mussten. Ein großes Unrecht ist uns allen geschehen. Die Wunden waren tief - sind vernarbt. Die Erinnerung an die Erniedrigung, an die Ungewissheit der Auswanderung ist verblasst, doch nicht vergessen. Es ist gut, dass es Menschen gibt, die dafür sorgen, dass es nicht vergessen wird!"

Bild: ehemaliges Textil- und Weißwarengeschäft
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Bild: Die Bahnhofstraße 10 (Ecke Wernerplatz) in den 90er Jahren, ehemaliges Textil- und Weißwarengeschäft der Familie.

Bild: Grabmal von Isidor Luft
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Bild: Grabmal von Isidor Luft auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden.
Der freie Platz auf der linken Seite des Grabsteines war ursprünglich für seine Frau Rosa gedacht. Jedoch musste sie 1937 Deutschland verlassen und floh nach Palästina, wo sie 1951 ihre letzte Ruhestätte fand.

Bild: Erna Seligman
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Bild: August 1992 - Frau Erna Seligman mit zwei Urenkelinnen zu ihrem 90. Geburtstag

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