"Agricola GmbH" in Oederan

"Agricola -GmbH" in Oederan - ein Außenlager des Konzentrationslager Flossenbürg
Bild: Überlebende des Zwangsarbeitslagers von Oederan
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Während der Lagerzeit in Oederan starben drei Jüdinnen an TBC. Für sie wurde auf dem Oederaner Friedhof eine Grabanlage mit Gedenkstein errichtet. Im Jahr 2000 besuchten Überlebende des Zwangsarbeitslagers von Oederan auf Einladung des CJD das Grab ihrer Kameradinnen.

1944 wurde in Oederan ein Zweigwerk der Deutschen Kühl- und Kraftmaschinen GmbH (DKK) Scharfenstein, eine Tochtergesellschaft der Auto Union AG, errichtet. Hier sollten 2-cm-Sprenggranaten für Flugzeugkanonen produziert werden. Die Arbeitskräfte kamen aus Auschwitz: 500 jüdische Mädchen und Frauen aus Polen, der damaligen Tschechoslowakei und anderen besetzten Staaten. Für dieses Zweigwerk wurde die ehemalige Nähfadenfabrik Kabis geräumt. Die Unterbringung der Frauen erfolgte in dem Färbereigebäude des Werkes. Eine geplante Erweiterung zur Produktion von Infanteriemunition im Textilwerk der Leineweberei Salzmann (angefordert waren hierfür 870 Frauen) kam nicht mehr zustande. Im April 1945 wurde das gesamte Lager evakuiert. Nach längerer Irrfahrt erreichte der Transport schließlich das Ghetto Theresienstadt. Dort wurden die Frauen durch Truppen der Rote Armee endlich befreit.

Bild: Reste eines Güterwagons
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In Hohenfichte bei Oederan fand Pfarrer Hageni die Reste eines Güterwagons, der für den Transport von Juden bestimmt war. In die Holzbretter des Waggons hatte jemand mit Nägeln einen Davidstern eingelassen.

Bild: Schreiben der DKK
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Häftlingstransporte von Auschwitz nach Oederan:

  1. Transport am 12.September 1944 mit 301 Frauen
  2. Transport am 9.Oktober 1944 mit 200 Frauen

Bild: Schreiben der DKK in Oederan an das SS-Reichssicherheitshauptamt vom Juni 1944 zur Anforderung von 500 Frauen aus dem KZ.

Bild: Bahnhof im erzgebirgischen Oederan
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Der Bahnhof im erzgebirgischen Oederan - hier endete für die jüdischen Frauen aus dem Lager Auschwitz die Fahrt. Vom Bahnhof aus ging es zu Fuß in das Lager.

Erinnerungsberichte von Überlebenden
Grete Salus über das Wachpersonal
"Es gab für die 500 Häftlinge 30 Aufseherinnen. Sie rekrutierten sich meist aus gewesenen Arbeiterinnen der beiden Oederaner Fabriken. Vor allem lockten sie die viel besseren Lebensbedingungen bei der SS. Sie hatten neben den Höchstzuteilungen an Nahrungsmitteln noch Sonderzulagen. Das Ausschlaggebende aber war eine gewisse Machtposition, die sie sich hätten nie träumen lassen. ..."
Miriam Werebejczyk erinnerte sich: "Hana war sehr schön. Sie hatte das Glück gehabt, dass ihr in Auschwitz das Haar nicht kahl rasiert sondern nur kurz geschoren worden war. Wenn einem Mädchen ganz kurzes, aber doch etwas Haar am Kopf blieb, war sie eine schöne Ausnahme unter den kahlen Affen. So ging es Hana und die Männer in der Fabrik registrierten es sofort. Als das die Oberaufseherin bemerkte, kam sie sofort und wollte sie 'hässlich' machen. Sie scherte Hanas Augenwimpern, rasierte die Augenbrauen ab und verletzte dabei Hanas Gesicht schwer. Sie wollte ihr auch den Kopf kahl scheren, aber die russische Ärztin die dabei war, setzte sich für Hana ein. So blieb ihr wenigstens da kurz geschorene Haar."
Sara Honigmann über ihre Errettung in Oederan: "Ich war erst 17 Jahre alt. Die Munitionsarbeiter jedoch mussten mindestens 18 sein. Wäre mein Alter bekannt geworden, hätte man mich zurück nach Auschwitz geschickt - in den sicheren Tod. Auch für meine Mutter wäre das das Todesurteil gewesen. Eine Aufseherin aber erwiderte auf meine ehrliche Antwort, dass ich 17 bin: "Nein, du bist 18." - So haben wir beide überlebt."

Bild: Miriam Werebejczyk (links) und Sara Honigmann (rechts)
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1998 traf die Projektgruppe "Shalom" Überlebende des Oederaner Lagers. Darunter waren auch Miriam Werebejczyk (links) und Sara Honigmann (rechts).
Miriam Werebejczyk (geb. Maryla Sztajer) war 1927 als jüngstes von fünf Kindern in Lodz geboren worden. Drei ihrer Geschwister, ihre Mutter und ihr Vater überlebten den Holocaust nicht. Miriam Werebejczyk lebte nach dem Krieg wieder in Polen, emigrierte aber 1957 nach Israel.
Sara Honigmann (geb. Inka Waner) war ebenfalls 1927 in Lodz geboren worden. Im August 1944 wurde sie mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert. Beide leben heute in Israel.

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