Paul Aron

Ein bedeutender Protagonist der Neuen Musik
Paul Aron (1886 - 1955)

Bild: Paul AronDie ersten Klavierstunden erhielt der am 9. Januar 1886 in Dresden geborene Paul Aron von seiner Mutter Berta (Betti) Aron, geb. Fuchs. Nach seinem Abitur am Dresdner Wettiner Gymnasium studierte er zunächst vier Semester Jura in München. Doch schon bald begann er bei Max Reger seine musikalische Ausbildung. Die Eltern duldeten diese Entwicklung nur mit Vorbehalt. Max Reger prophezeite für Paul Aron eine großartige pianistische Laufbahn und konzertierte selbst mit ihm ab 1907 in mehreren Städten Deutschlands. Eine Eingliederung Paul Arons in die Musikgeschichte erscheint überfällig. Der Komponist, Pianist, Dirigent, Regisseur, Lehrer, ‹bersetzer und Veranstalter hat sich bleibende Verdienste um die zeitgenössische Musik erworben.

1912
auf Rat seines Lehrers Max Reger ging Paul Aron nach Berlin, gab von dort aus unzählige Konzerte als Solist oder Begleiter in ganz Deutschland
1914
im I. Weltkrieg war Aron als Soldat für das Rote Kreuz tätig und spielte in Konzerten für die Infanterie mit.
1918
Rückkehr nach Dresden, wirkte hier als Klavierlehrer am Konservatorium. Von Dresden aus nahm er lebhaften Anteil an dem Aufbruch der europäischen Kunstszene und engagierte sich konsequent für die zeitgenössische Musik, war aber auch interessiert an den Dresdner Malern wie Otto Dix, Otto Griebel und Conrad Felixmüller. Dix und Felixmüller zeichneten Paul Aron.
1921
Paul Aron plante zunächst kleine Konzerte in seiner eigenen Wohnung, doch dann wandte er sich mit folgender Information an die ÷ffentlichkeit: "Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass in Dresden die Schar derer, die sich mit neuer Kunst auseinandersetzen wollen, sehr klein ist- sie vermag keinen unserer üblichen Konzertsäle nur annähernd zu füllen. ... Wenn ich ... den intimen kleinen Saal des Logenhauses für meine Nachmittage wähle, so tue ich das nicht zuletzt aus dem Optimismus, es möchten doch mehr Hörer werden, als mein Heim zu fassen vermag."(aus: Paul Aron: Einladung für Konzertreihe mit neuer Musik vom Oktober 1921)
Paul Aron begann spätestens von da ab mit seinem einmaligen Wirken für die zeitgenössische Musik, im Rahmen privater nicht institutionalisierter Konzerte - und mit allen damit verbundenen Finanznöten. Insgesamt stellte Paul Aron als Pianist, Dirigent, Bearbeiter und Veranstalter mehr als 200 Werke seiner Zeitgenossen vor. Es fehlte kein Name, der heute Rang und Namen hat: Arnold Schönberg, Paul Hindemith, Francis Poulenc, Louis Gruenberg, BelŠ Bartůk, Walter Schönberg, Igor Strawinsky, Alban Berg, Heinrich Kaminski, Kurt Weill- um nur einige zu nennen.
1927
zusammen mit dem Geiger Francis Koene und dem Cellisten Karl Hesse bildete Aron das "Neue Dresdner Trio"
1930
Lehrer im Hauptfach Klavier an der Orchesterschule der Sächsischen Staatskapelle Ende des Jahres hatte die nationalsozialistische Presse Paul Aron schon im Visier: "Der jüdische Konzertunternehmer Paul Aron stellt die Geduld eines nicht ganz stumpfsinnigen Publikums auf eine harte Probe. Er selber ist wohl unempfindlich gegen Lärm und Geräusch und man kann ihm gratulieren zu der "zähen Beschaffenheit und handfesten Textur seiner Gehirnmasse", die seit zehn Jahren den kräftigsten kakophonen Wirkungen standhält." (aus: "Der Freiheitskampf" - Organ der NSDAP in Sachsen, vom 11.12.1930, S. 3)
1933
Nach dem Machtantritt der Nazis wurde Paul Aron jegliche öffentliche Tätigkeit untersagt, seine Konzerttätigkeit verboten; außerdem verlor er über Nacht seine Stelle an der Orchesterschule. Nicht nur dass Aron Jude und homosexuell war - er wurde zudem "kultur- bolschewistischer Ideen auf musikalischem Gebiet" beschuldigt
1933
kurzzeitige Inhaftierung, ein weiterer Verbleib in Dresden wurde immer gefährlicher; Paul Aron floh nach Teplitz- Schönau (heute Teplice), wo er aber kein ausreichendes Einkommen mehr hatte. Aron versuchte es in Prag, wo er bis 1939 blieb, von wo aus er über Bekannte versuchte, seine Ausreise zu organisieren. Verschiedene, wenn auch spärliche Konzertmöglichkeiten schufen Gelegenheit, sich in der Tschechoslowakei weiter der Neuen Musik zu widmen. Aron spielte in verschiedensten Aufführungen mit. In dieser Zeit wagte es Aron mehrfach, sogar in Deutschland im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes aufzutreten - auch in seiner Heimatstadt Dresden.
1939
gelang endlich die Ausreise nach Kuba. Auftritte im kubanischen Rundfunk, Vorträge und Konzerte mit zeitgenössischer Musik
1941
in den USA versuchte Aron sich zum drittenmal innerhalb von 8 Jahren eine neue Existenz aufzubauen, was sehr schwierig war.
1945
unter Arons Mitwirkung am Klavier fand in New York die Erstaufführung von JanŠo'5feks Komposition "Das Tagebuch eines Verschollenen" statt.
1954
Paul Aron gründete gemeinsam mit Morton Siegel in New York das avantgardistische Opernensemble "The Opera Players", mit dem er zahlreiche Opern u.a. von Kurt Weill und Ernst Toch aufführte.
1955
Als Paul Aron am 6. Februar starb wurde ihm zu Ehren im New Yorker Rundfunk Verdis Requiem ausgestrahlt. Den Nachruf sprach der 1. Kritiker der "New York Times" (auszugsweise zitiert aus "Dresdner Liste- Musikstadt Dresden und nationalsozialistische Judenverfolgung 1933- 1945 in Wort und Bild" von Dr. Agata Schindler, Dresden 2003)

Bild: von Conrad Felixmüller1926 malte Conrad Felixmüller die 3 Musiker Paul Aron, Bernhard Günther und Erich Winkler.

Bild: Porträt von Paul AronDieses Porträt von Paul Aron zeichnete Otto Dix.

Bild: GedenksteinEin kleiner Gedenkstein auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden erinnert an Betti Aron, die Mutter von Paul Aron. Die 85jährige Dame war am 14. Juli 1942 im KZ Theresienstadt gestorben. Dr. Willi Aron, ebenfalls ein ausgezeichneter Musiker, war nach Auschwitz deportiert worden und ist von dort nicht zurückgekehrt.

Bild: VeranstaltungsprogrammeVeranstaltungsprogramme aus Paul Arons Reihe "Neue Musik"

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