Dresdner Rabbiner

Bild: Grabstein
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links:
Herr Oberrabbiner Dr. Wolf Landau
geb. d. 1. März 1811
gest. d. 24. August 1886
rechts:
Frau Fanni
geborene Feilchenfeld
geb. d. 19. Februar 1816
gest. d. 11. Oktober 1891

Bild: Wolf Landau
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Die Familie des Wolf Landau (01. März 1811 - 24. August 1886) stammt aus Lissa, wo sein Großvater David Wolf Landau ein berühmter Talmudgelehrter war. Dieser Großvater hatte 1801 eine Anstellung als Rabbiner in Dresden gefunden. Sein Sohn Marcus David wurde 1836 Lehrer an der neu gegründeten Schule der jüdischen Gemeinde. Gemeinsam mit Ehefrau Reitzel hatte er die Söhne Abraham und Wolf. Wolf besuchte in Jamnitz eine traditionelle Talmudhochschule. Noch mit 20 Jahren schrieb er sich auf einem Dresdner Gymnasium ein, lernte Englisch, Latein und legte 1836 sein Abitur ab. Nach seinem Philosophiestudium kehrte er 1839 nach Dresden zurück und war wie sein Vater Lehrer an der Gemeindeschule. 1843 heiratete er Fanni Feilchenfeld, mit der er drei Kinder hatte. Nach Weggang des Rabbiners Zacharias Frankel wurde Wolf Landau 1854 neuer Oberrabbiner in Dresden. Er war ein hoch gebildeter Mann, der in der Gemeinde mit seiner bescheidenen und lebensfrohen Art sehr beliebt war. Publizistisch trat er aber nur wenig in Erscheinung.

Bild: Ehrgedicht
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Im weitgehenden Einvernehmen mit dem Gemeinderat setzte er die liberale Ausrichtung der Gemeinde fort. Eine besondere Beziehung verband ihn mit dem Sächsischen König Johann, der ihn ob seiner Leitung hoch schätzte und ihm auch seinem Sohn, König Albert, empfahl. Dieser verlieh Wolf Landau den Albert-Orden in Würdigung seiner Verdienste für das Gemeindewohl. Die Gemeinde stiftete ihm in ehrendem Gedenken und aus tiefer Dankbarkeit ein schön gestaltetes Mauergrab auf dem Friedhof. Die Abbildung zeigt ein Ehrgedicht aus der Illustration von Emil Lehmann an wichtige Persönlichkeiten der Gemeinde, wie Landau.

 

Bild: Grabstein
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links:
Grace Winter
geborene Allen
geb. 28. Sept. 1867
gest. 22. Juli 1929
rechts:
Rabbiner Prof. Dr. Jakob Winter
geb. 30. Juni 1857
gest. 18. März 1940

Bild: Dr. Jakob Winter
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Dr. Jakob Winter (30. Juni 1857 - 18. März 1940) war seit 1887 der 3. Gemeinderabbiner in Dresden. Winter war in kleinen Verhältnissen in Sanddorf (damals Ungern) aufgewachsen. Schon früh betrieb er intensiv das Talmudstudium: mit 14 Jahren studierte er beim Rabbiner in Miava, lernte Französisch und las Deutsche Bücher. 1886 promovierte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Halle. Nach dem plötzlichen Tod von Dr. Wolf Landau 1886 wurde der gerade 29jährige zum Probepredigen nach Dresden eingeladen und erhielt sofort die provisorische Führung der Rabbinergeschäfte. Bereits zwei Jahre später wurde er als Rabbiner auf Lebenszeit angestellt. Für seine Wissenschaftlichen Leistungen wurde ihm 1911 von König Friedrich August der Professorentitel verliehen.

Bild: Grace Winter
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1936 konnte Jakob Winter das seltene Jubiläum einer 50jährigen Amtszeit begehen. Nach dem Tod seiner Frau Grace Winter, geborene Allen (1867 - 1929) und Auswanderung seiner Kinder lebte er zunehmend zurückgezogen. Jakob Winter starb 1940 mit 82 Jahren. Nach ihm wurde in Dresden Prohlis ein Platz benannt.

 

Bild: Grabstein
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links:
Grabtafel ist frei (Ursprünglich für Eva Stein, geborene Wollheim reserviert - Auswanderung nach Palästina, in Tel Aviv begraben)
geb. am 26. Juni 1883
gest. 1958
rechts:
Rabbiner Dr. Leopold Stein
geb. am 4. April 1874
gest. am 15.Januar 1916

Bild: Dr. Leopold Stein
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Dr. Leopold Stein (4. April 1874 - 15. Januar 1916) hatte seine Rabbinerausbildung an der Lehranstalt für die Wissenschaften des Judentums in Berlin erhalten. Er studierte an der Universität Kiel und erwarb den philosophischen Doktortitel. Am 01. Juni 1904 bekam er eine Anstellung als Stellvertretender Rabbiner und Religionslehrer bei der Jüdischen Gemeinde in Dresden. Gleichzeitig arbeitete er als Gemeindebibliothekar. Er erstellte den ersten Katalog dieser umfangreichen wissenschaftlichen Bibliothek. Am 30. Mai 1905 heiratete Leopold Stein seine Frau Eva Wollheim (26. Juni 1883 - 1958) aus Rogasen in Posen, die zu ihm nach Dresden zog. Sie unterstützte ihren Mann bei seiner Arbeit und war sozial in der Gemeinde aktiv. Sie war Mitglied des Israelitischen Frauenvereins, Förderin des Mädchenheims sowie des Kinderhorts und arbeitete im Fürsorgeausschuss mit. Das Ehepaar Stein hatte zwei Kinder: Alfred (geb. 1908) und Rosi (geb. 1910). Alfred Stein wurde als Fred Stein ein berühmter Fotograf. 1916 verstarb Leopold Stein im Alter von nur 41 Jahren.

Bild:
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Da Eva Stein in Dresden keine Familie hatte geriet sie mit ihren beiden kleinen Kindern durch den Tod ihres Mannes in eine schwierige Lage. Die Gemeinde unterstützte sie beim Studium zur Religionslehrerin. Im Jahre 1940 gelang ihr die Ausreise nach Palästina. 1958 starb Eva Stein in Tel Aviv. Deshalb blieb die für sie reservierte Grabstelle neben ihrem Mann auf dem Dresdner Friedhof frei.

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