Familie Nathan Wangenheim

Bild: Nathan Wangenheim
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Nathan Wangenheim wurde am 9. Juni 1862 in Pasewalk geboren. Um 1890 zog er mit seiner Frau Leonore (geb. Boas, 1863-1942) nach Freiberg. Sie hatten zwei Kinder, Guido (geb. am 1. Juni 1891) und Julia (geb. am 15. Mai 1894).
Nathan Wangenheim weihte 1907 eine "Weiß-, Kurz-, Galanterie-, Putz- und Modewarenhandlung" in der Weingasse 3 ein. Die Konkurrenz des 1914 eröffneten Schocken-Kaufhauses in der Petersstraße zwang ihn zur Schließung seines Geschäfts. Daraufhin investierte er in eine kleine Fabrik zur Puppenherstellung, zumeist für den Export nach Afrika, Asien und Südamerika.
Im I. Weltkrieg kam der Export zum Erliegen und die Inflationszeit Anfang der 20er Jahre bedeuteten das Aus der Fabrik. Bis zu seinem Ruhestand 1932 arbeitete er als Versicherungsagent für die Barmer Ersatzkasse.

Nathan Wangenheim sorgte - obwohl selbst nicht streng religiös - dafür, dass an hohen jüdischen Feiertagen in Freiberg Gottesdienste für die jüdischen Einwohner und Studenten Freibergs stattfinden konnten. Eine eigene Jüdische Gemeinde besaß Freiberg wegen der zu kleinen Zahl jüdischer Bürger nicht. Die Gottesdienste fanden zunächst - um die Jahrhundertwende - in dem beliebten Freiberger Ausflugslokal Am Hornmühlenweg, später in Räumen des "Dresdner Hofs" gegenüber der Nikolaikirche statt.

Bild: Gartenfest
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Bild: 1912 - Jüdische Jugendliche feiern in Freiberg ein Gartenfest.
rechts: Guido Wangenheim
zweite von links: Julia Wangenheim

Bild: Tochter Julia
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Julia, die Tochter von Nathan und Leonore, heiratete am 14. März 1921 Willy Rosenthal in Freiberg. Ihr Ehemann Willy verstarb am 19.12.1935 im Freiberger Krankenhaus. Gemeinsam mit ihren Eltern und Sohn Lutz gelang ihr 1937 die Flucht aus Deutschland. Sie emigrierten nach Palästina.
Nathan Wangenheim verstarb dort am 24. August 1939, seine Frau nur drei Jahre später. Beide sind auf dem Nahlet Jizchak Friedhof in der Nähe von Tel Aviv beigesetzt.
Bild: Julia Wangenheim mit 18 Jahren

Bild: Hochzeit
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Bild: Hochzeit von Hans & Gertrud Schreiber am 29. September 1928 - befreundete Nachbarn von Willy und Julia Rosenthal. Als Blumenkinder: rechts Helga Wangenheim; links Edith Wangenheim (Nichten von Willy und Julia Rosenthal); daneben der kleine Sohn Lutz.

Bild: Sohn Guido
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Bild: Zahnarzt Dr. Guido Wangenheim mit seinem ersten Patienten in der Praxis Silberhofstraße 1a

Sohn Guido, der ein anerkannter Zahnarzt war, besaß eine der fünf größten Praxen in Freiberg auf der Silberhofstraße 1a. Im I. Weltkrieg diente er als Zahnarzt in einem Sanitätsbataillon der Kaiserlichen Armee. Mit seiner Frau Lilly hatte er zwei Töchter, Helga (geb. 1924) und Edith (geb. 1925). Im April 1933 gehörte seine angesehene Arztpraxis zu den ersten, die von den Nazis boykottiert und beschmiert wurden: "Lasst keine jüdischen Hände an eure deutschen Zähne". Gerade er, der "so tief und stolz Deutscher war", wie sich später sein Neffe Lutz Rosenthal erinnerte, wurde durch diesen Hass tief getroffen. Er erklärte, dass "ihn nichts bewegen könne, in Deutschland zu bleiben".
Dr. Guido Wangenheim (links im Bild mit seinem ersten Patienten) verließ mit seiner Familie Deutschland. Sie wanderten 1936 nach Palästina/Israel aus, wo er eine neue Dentistenpraxis aufbaute. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er, nach der Zerschlagung des Nationalsozialismus, in einem jüdischen Altersheim in Deutschland. Seine Töchter leben heute in den USA.

Bild: Villa Silberhofstraße 1a
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Bild: Villa Silberhofstraße 1a in Freiberg - Die ehemalige Zahnarztpraxis

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