Wissenschaftler

Bild: Professor Dr. Julius Wahle
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Professor Dr. Julius Wahle
vormals Direktor des Geothe- und Schillerarchivs
geb. 15.2.1861 in Wien
gest. 7.11.1940 in Dresden

Bild: Professor Dr. Julius Wahle
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Julius Wahle wurde als erstes von 7 Kindern am 15. Februar 1861 in Wien geboren. Seine Familie ermöglichte ihm das Studium für Philologie, Literaturgeschichte, Anglistik und Philosophie an der Wiener Universität, wo er 1885 auch promovierte. 1886 kam er nach Weimar und begann seine Arbeit am Goethe- und Schillerarchiv. Ab 1891 war er Mitglied der Weimarer Shakespeare-Gesellschaft. 1903 erhielt Wahle für seine Verdienste das Ritterkreuz 2. Klasse. Zum Professor wurde er 1908 ernannt. 1920 betraute man Professor Wahle mit der Führung der Direktoralgeschäfte des Archivs. Er amtierte zusätzlich als Bibliothekar der Goethe-Gesellschaft. Unschätzbare Verdienste erwarb sich Wahle bei der Auswertung des Goetheschen Nachlasses. Er leitete zahlreiche Herausgaben von Sammelbänden. 1928, nach mehr als 40jähriger Arbeit, ging Wahle in den Ruhestand und zog 1932 zu seiner Nichte Elsa Hirschel nach Dresden. Solange es ihm noch möglich war, nahm Wahle auch in Dresden aktiv Anteil an Wissenschaft und Kultur. 1933 schied er offiziell aus der Goethe-Gesellschaft aus, die für ihn ein wesentlicher Bestandteil des Lebens war. Geduldet wurde nur seine stille Mitgliedschaft.

Bild: Schulkatalog
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Diese so genannte "stille Mitgliedschaft" kündigte er später unter dem Druck der Nazis. Nach 1937 hielt Julius Wahle viel beachtete Vorträge über Goethe an der jüdischen Gemeinde. Er starb am 7. November 1940 in Dresden.

 

Bild: Professor Dr. Med. Heinz Conradi
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Professor Dr. Med. Heinz Conradi
gest. 26.4.1943

Bild: Doktorarbeit
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Geboren wurde Heinrich Wilhelm Cohn (ab 1892 Conradi) am 22. März 1876 in Frankfurt am Main. Conradi studierte in Freiberg, München, Berlin und promovierte 1899 in Straßburg zum Thema "Zur Frage der Toxinbakterien bei den Milzbrandbakterien". 1889 wurde er Leiter der Bakteriologen der Zentralstelle für öffentliche Gesundheitspflege in Dresden ernannt. 1912 begann er seine Arbeit an der TH Dresden, wo er später auch als Professor tätig war. Wichtigstes wissenschaftliches Anliegen war ihm, bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten zu helfen. So engagierte er sich bei der Aufklärung zur Verbesserung der hygienischen Zustände. Conradi publizierte zu diesem Thema mehrfach. 1933 wurde er aus der TH entlassen und erhielt Berufsverbot.

Bild: Protokoll
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Ab 1941 musste er in verschiedenen Betrieben Zwangsarbeit leisten. 1943 wurde Conradi verhaftet, weil er angeblich den Stern auf seiner Kleidung versteckt und Radieschen gekauft haben soll. Am 26. April 1943 ist er an den Folgen der Misshandlung im Dresdner Polizeigefängnis gestorben. Sein Leichnam wurde der jüdischen Gemeinde übergeben.

 

Bild: Helmut Eschwege
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Helmut Eschwege
geb. 10.7.1913
gest. 19.10.1992

Bild: Helmut Eschwege
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Helmut Eschwege wurde am 10. Juli 1913 in Hannover als ältestes von 4 Kindern geboren. Helmut besuchte die Talmud-Thora-Schule in Hamburg, löste sich aber schon als Jugendlicher von der orthodoxen Haltung seiner Eltern. 1930 schloss er sich der SPD an. 1934 verließ Helmut Eschwege Deutschland. Sein Exil führte ihn bis nach Palästina. 1943 trat er freiwillig der britischen Armee bei. Nach Dresden kam er 1946 und baute antifaschistische Bibliotheken auf. Seine Sammlung von Dokumenten zur deutschen Arbeiterbewegung wurde zum Grundstock für das Berliner Museum für deutsche Geschichte, wo Eschwege 1952 Abteilungsleiter wurde. Ein Jahr später wurde er als Westemigrant und "Kosmopolit" aus der SED ausgeschlossen. 1957 begann er ohne entsprechende Ausbildung mit der Erforschung jüdischer Geschichte und Kultur.

Bild: Aktenzeichen unerwünscht
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1966 erschien sein Buch "Aktenzeichen unerwünscht". 1980 folgte der viel beachtete Band "Die Synagoge in der deutschen Geschichte". Das Buch "Selbstbehauptung und Widerstand" konnte im Jahr 1984 nur in der BRD erscheinen. 1991 veröffentlichte er seine Autobiographie "Fremd unter meinesgleichen". Helmut Eschwege starb am 12. Oktober 1992 in Dresden.

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