Platz der Oktoberopfer

Lehnsbrief des Kurfürsten Moritz über den Freiberger JudenbergIn der Nähe des heutigen Platzes der Oktoberopfer, am Rande der jüdischen Ansiedlung am "Judenberg", hat sich vermutlich bis zum beginnenden 15.Jahrhundert der mittelalterliche jüdische Friedhof befunden, in einiger Entfernung auch die Synagoge.
Zeugnisse dafür finden sich im Freiberger Ratsarchiv in Dokumenten, die die Vertreibung der Juden aus Freiberg im 15.Jahrhundert belegen.

Der Stadtchronist Andreas Möller vermerkte für das Jahr 1411: "Sind die Juden welche zu Freiberg in der Vorstadt gewohnet am Orte/den man itzo den Judenbergk nennet / wegen großen Wuchers/ so sie getrieben/gefänglich eingezogen/und hernach ganz aus dem Lande verwiesen worden."

Die Vertreibung der Juden 1411 aus Freiberg, 1430 schließlich aus dem ganzen Wettiner Herrschaftsgebiet, hatte viele Ursachen:

Vertreibung und Enteignung der Juden gehen Hand in Hand. Schon 1412 belegt eine Rechnung des Freiberger Münzmeisters Hans Hesse, dass dem Markgrafen Gold überwiesen wurde, welches aus den "Sachen der Juden" erlöst worden war.

Die als "Yodenschule" bezeichnete Synagoge der Freiberger Juden und das gesamte Friedhofsgelände verfiel der Kirche. 1472 übereignete der Meißner Bischof den dafür erhobenen Grundstückszins dem Altar des Heiligen Bernhardt in der Nikolaikirche. 1444 wird Korn "yn der yodenschule" eingelagert, 1477 wird sie an den "ersamen Reynhans", einen Freiberger Patrizier, verkauft. Mitte des 16.Jahrhunderts erteilt Herzog Moritz dem Freiberger Rat eine Lehnsurkunde über den "Judenberg". Schließlich verbieten wiederholt "Bergordnungen" der sächsischen Kurfürsten auf Jahrhunderte jegliches Wohn- und Niederlassungsrecht von Juden in den sächsischen Bergstädten:

Der LXXVI. Artikel der Bergordnung Christian I. von 1589 bestimmt:

"Juden sollen nicht geduldet noch gehauset werden".

Bis in das 19. Jahrhundert hinein regelten nun unzählige Zoll- und Acciseordnungen, "Geleitrollen" und "Judengesetze" den Durchlass der benötigten Handelsjuden zu den sächsischen Messen z.B. in Leipzig, verboten die Ansiedlung und sicherten, dass nur begüterte Juden "Schutz- und Geleitbriefe" erhielten und nicht etwa "Betteljuden".

Erst im 19. Jahrhundert durften sich Juden - unter dem Druck der in der bürgerlichen Revolution beschlossenen "Gleichstellung der sächsischen Juden mit den Christen hinsichtlich der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte" - wieder in sächsischen Städten ansiedeln, darunter schließlich auch in den sächsischen Bergstädten.

Anders als in großen sächsischen Städten wie Dresden, Leipzig oder Chemnitz, in denen sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts die jüdische Bevölkerung in großen eigenständigen Gemeinden organisierte, siedelten sich in Freiberg - vor allem nach der Reichseinigung 1871 - nur wenige jüdische Familien an. Zu keinem Zeitpunkt reichte hier die Zahl jüdisch-religiöser Bürger, um eine eigene jüdische Gemeinde zu bilden. 1910 zählte die Stadt 111 Juden, die höchste Zahl, die jemals in der Neuzeit erreicht wurde.

Die folgenden Stationen bieten dennoch am Beispiel ausgewählter jüdischer Familien Freibergs ein repräsentatives Spektrum der Leistungen von Juden in und für die Stadt Freiberg ebenso wie ein Bild der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Bürger, die in der Nazizeit ihren grausamen Höhepunkt fand.

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