Poststraße 16

Wollwarengeschäft der Familien Dobkowsky und Pinkus

Geschäft Poststraße 16
Geschäft Poststraße 16

Zu den bekannten jüdischen Familien Freibergs gehörten auch die Familien Dobkowsky und Pinkus.
Sally und Franziska Dobkowsky waren 1901 nach Freiberg zugezogen. Sie kamen aus Belgard in Pommern und hatten dann im ostpreußischen Allenstein gewohnt. Beide starben als der Naziterror seinem Höhepunkt zusteuerte: Franziska, (eine geborene Brotzen 12.Juni 1864) am 16.12.1936 im Alter von 72 Jahren, Sally (geb.6.Juli 1863) am 03.01.1939 im Alter von 75 Jahren.
Sie hatten sechs Kinder. Arno, Aron, Grete, Betty, Frieda, Toni und Theodor.

Arno Aron Dobkowsky wurde am 23.08.1886 in Belgard/Pommern geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in Allenstein/Ostpreußen; seine Lehre in Stettin und Berlin. Während des 1. Weltkrieges erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse, dazu das Verwundetenabzeichen.
Nach Kriegsende lernte er seine Frau Elsbeth Johanna Oppenheim in Paris kennen.

Nach der Heirat am 26.12.1920 zog das Ehepaar nach Glogau in Schlesien. Hier führte Arno Dobkowsky das Schuhgeschäft der Schwiegereltern bis zur Wirtschaftskrise 1929.
1937 flohen Dobkowskys nach Berlin in der Hoffnung, hier dem Terror der Nazis weniger direkt ausgeliefert zu sein. 1939 gelang es ihnen, ihre drei Kinder, Ester, Peter und Marianne-Renate mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit zu bringen. Ihnen selbst gelang die Flucht nicht mehr. Arno und Elsbeth Dobkowsky wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert, er starb dort 1943, seine Frau kam 1944 auf einem Transport nach Auschwitz ums Leben.

Arno, Grete, Betty und Toni
v.l.n.r. Arno, Grete, Betty und Toni

Betty Dobkowsky heiratete in eine bekannte jüdische Familie in Bremen. Sie und ihre drei Söhne wanderten in die Vereinigten Staaten aus.

Frieda Dobkowsky verstarb sehr jung an Tuberkulose.

Toni Dobkowsky heiratete einen Dorfschullehrer in Drebach (Erzgebirge) und trat zum Christentum über. Es half ihr nichts. Sie wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet.
Ihre Tochter Marianne entkam über Frankreich nach England.

Theodor Dobkowsky, der jüngste Sohn, war im 1. Weltkrieg Offizier im Kaiserlichen Heer und erhielt das Eiserne Kreuz dafür. Er studierte Medizin und ließ sich als Zahnarzt in Magdeburg nieder. Im Novemberprogrom 1938, der Reichskristallnacht, wurde er verhaftet und kam in das KZ Buchenwald. Als gebrochener Mensch wanderte er, nach seiner Entlassung aus dem KZ, nach Südamerika (Ecuador) aus, dort praktizierte er noch einige Zeit. Er starb 1963 an den Folgen der im KZ erlittenen Torturen, die seine Widerstandskraft gegen Krankheiten gebrochen hatten.

Grab von Fanziska Dobkowsky
Grab von Fanziska Dobkowsky auf dem neuen jüdischen Friedhof in Dresden

Grete Dobkowsky heiratete in Freiberg Max Pinkus. Sie führten das Wollwarengeschäft der Schwiegereltern ab Januar 1922 unter dem Namen "Dobkowsky & Pinkus" weiter.
Im April 1939 wurde ihr Sohn Werner mit einem Kindertransport nach England gerettet. Sie selbst wurden wahrscheinlich mit einem Transport 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.

nach oben