Der ehemalige Judenberg

Roter Weg, Lange Straße und Wernerstraße

Plan von der chu.fürstl.sächs. Berg und Hauptstadt FreybergNoch bis in das 19.Jahrhundert hinein wies die Bezeichnung "Judenberg" auf alten Freiberger Stadtplänen für ein Gebiet, das heute vom Roten Weg, der Lange Straße und der Wernerstraße begrenzt wird, darauf hin, dass hier einst eine jüdische Ansiedlung existiert haben musste.

Obwohl mittelalterliche Sachzeugnisse heute gänzlich fehlen, sprechen u. a. solche Indizien dafür, dass Juden nach den ersten Silberfunden in der Freiberger Gegend um 1186 einen bedeutenden Anteil an der raschen Entwicklung des Freiberger Stadtwesens hatten.

Vor allem nach 1210, als unter Markgraf Dietrich die Entwicklung Freibergs zur hochmittelalterlichen Stadt mit der planmäßigen Anlage der Oberstadt ihren ersten Abschluss fand, dürften sich Juden im östlichen vor dem Erbischen Tor und dem Peterstor gelegenen Gebiet angesiedelt haben.

Jüdische Handelsreisende hatten wahrscheinlich schon Jahrhunderte zuvor die alten Handelswege genutzt, die von der Magdeburger Gegend aus über das Erzgebirge ins Böhmische führten. Das erste "Berggeschrey" nach den Silberfunden im Freiberger Raum zog nicht nur Bergleute und Handwerker in großer Zahl an, sondern auch viele Händler. Die weit reichenden Handelsbeziehungen von Juden sicherten den für Freiberg unverzichtbaren Fernhandel, bereicherten den sächsischen Markt mit dringend benötigten Gütern und sorgten für ein funktionierendes Finanzsystem. Das frühe Freiberger Stadt- und Münzrecht kündet davon, dass Juden eine unverzichtbare Rolle im Wechsel der unzähligen Münzwährungen und im Geldverleih spielten. Die schnelle Entwicklung des Bergbaus schuf ebenso Geldbedarf wie Stadtentwicklung, Hofhaltung der Wettiner und Handel. Jüdische Händler nutzten Freiberger Rohsilber als Zahlungsmittel im Fernhandel und als Exportgut. In Sagenform wird die Erinnerung daran bewahrt (z. B. die Sage vom"Silberjuden zu Oederan").

Die 1265 erlassene "Judenordnung" des Meißner Markgrafen Heinrich des Erlauchten, der die Erfahrungen der jüdischen Ansiedlung in Freiberg zugrunde lagen, sicherte Juden für fast zwei Jahrhunderte eine weitgehende privatrechtliche Gleichstellung mit Christen, einen eigenen Gerichtsstand und relativ freie Religionsausübung in der Markgrafschaft Meißen, also auch in Freiberg, zu.

Noch 1653 notiert der Freiberger Stadtchronist Andreas Möller in den "Freiberger Annalen" unter dem Jahr 1265:"Sind den Juden / die zu Freiberg in der Vorstadt auf dem Judenberge /und anderer Orten im Lande gewohnet/ besondere Statua und Gesetze für geschrieben worden..."

nach oben